Erstes KZPltel.

Gin Jesteinzug im alte» Wie».

Schon am frühen Morgen des 12. März 1707 wogte es lustig auf und nieder in den Straßen und Gassen der ehrwürdigen Vindo­bona. Jung und alt, reich und arm drängte sich bunt durcheinander, neben dem dunkelfärbigen, pelzverbrämten Gewände des ehrsamen Bür­gers zeigte sich das mit Maschen und Tressen gezierte Kleid des Edel­manns, neben der reich mit Gold gestickten Haube der sittigen Bürgers­frau, das fußhohe, mit allem erdenklichen Flitter beladene Gebäude, welches Edelfrauen und Fräuleins als Frisur auf ihren Köpfen trugen.

Hie und da aus der Menge ragten die Gestalten berittener Ka­valiere in glänzenden Gewändern, auf prachtvoll geschirrten edlen Pferden; obwohl das Volk den edlen Herren mit ziemlicher Bereitwillig­keit Platz zu machen suchte, so vermochten die Letzteren doch nur lang­sam vorwärts zu kommen. Wenn einer oder der Andere dieser Reiter durch die Pracht seiner Kleidung, durch sein ritterliches oder ehrsurcht- gebietendes Aussehen die Aufmerksamkeit der Masse besonders erregte, so unterließ diese nicht, den Betreffenden ihr Wohlgefallen in jubelnden oder bewundernden Zurufen kund zu thun, hingegen fehlte es nicht an Witz-, Spott-, ja selbst Drohworten, wenn einer schlecht und ängst­lich zu Pferde saß oder, sei es aus Uebermuth, sei es aus Unkenntniß in der edlen Reitkunst, seinen Gaul gar zu rücksichtslos und ungestüm an die zurückweichenden Fußgänger drängte.

Der Hauptzug der Menge ging durch das alte Stubenthor, über die vor demselben liegenden ziemlich unwirthlichen Gründe, der Straße zu, welche nach St. Marx führte, und je näher man der Lime kam, welche diesen Namen trug, desto dichter keilten sich die Massen, desto lauter wurde das Summen und Brummen, Schreien, Lachen und Schelten des lebendigen Meeres.

Das Geheimniß eines Beichtstuhles.

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