I.

Schloß Kranichsburg. K'öchin und Kutscher. Ein junger Prahler. Der Johannesthurm. Das Spuk- und das Blutzimmer.

Wem hat's in seiner Jugend nicht einmal ge­gruselt, wenn er zur Nacht- und Unzeit an einen Ort gehen mußte, wo es nach den Aussagen der Leute nicht ganz geheuer war? Nun, so ein klein wenig Furcht ist am Ende schon erklärlich und in gewisser Hinsicht auch leicht verzeihlich, denn die meisten Men­schen sind nicht so ganz rein auf dem Gewissen, wie die mackellosen Engel. Im Dunkeln und in öder Ein­samkeit aber erwacht das Gewissen am leichtesten und schreit uns in die Ohren, was wir gethan und un­terlassen haben. Das ist eine ganz prächtige Ein­richtung von unserm lieben Herrgott, denn wir wür­den am Ende von Tag zu Tag schlimmer und ge­dächten unserer Sünden gar nicht mehr, wenn's an­ders wäre.

Also in dieser Hinsicht lassen wir uns schon ein wenig Furcht gefallen, aber sie muß nicht zum Aber­glauben und zur Geisterseherei werven, denn da ver­liert der Mensch den Kopf, glaubt das Ungereimteste und schwebt obendrein noch in beständiger Angst.

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