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hunvert Gräfenberger zu bereiten; was etwa so viel sagen will, als tausend andere Leute.

Prießnitzens Wohnung stach gewaltig von seiner früheren im Jahr 1836 ab. Eine Flügelthür auf dem Corridor schloß seine sämtlichen Zimmer von dem übrigen Hause ab. Seine Wohnstube war tapezirt und geschmackvoll meublirt. Links an der Thür stand ein Silberschrank und ein elegantes Nachttisch­chen mit silbernem Waschbecken und Becher von demselben Me­tall; rechts zwei Betten nach Wiener Art mit dem feinsten Mousseline und Spitzen drapirt; nach dem Fenster hin ein schwellendes Sopha mit glacirter Jndienne von zarter blauer Farbe und ähnliche Stühle. Ein prächtiger runder Tisch in der Mitte des Zimmers, Secretairs, Kommoden vom feinsten Holze, mit Stutzuhren und Porzellangefäßen besetzt, und einige Ge­mälde vollendeten das Ganze, welches einen Wohlstand zeigte, dem der Inhalt der Schränke auf eine würdige Weise entsprach. Die Frau Gräfin Hr sagte mir, daß manche Frau ihres Standes sich glücklich schätzen würde, das Silberzeug der Ma­dam Prießnitz zu besitzen.

Jeder, der Gelegenheit hatte, diese artige Frau längere Zeit zu beobachten, wird ihr gern die Gerechtigkeit zukommen lassen, daß sie nicht nur eine Hausfrau und Wirthin ist, wie es wenige giebt, sondern daß sie auch eine Gewandtheit und einen Takt im Umgänge zeigt, der die frühere Bauernfrau durch­aus nicht verräth. Prießnitz, den das Glück zu seinem Lieblinge erlesen zu haben scheint, besitzt an ihr einen Schatz, ohne wel­chen er gewiß nie so weit gekommen wäre, als er es ist. Sie versteht zu sparen, ohne ihren Handlungen den Stempel der Habsucht aufzudrücken und weiß hier und da Züge eines takt­losen schmutzigen Geizes, die sich ihr Mann zu Schulden kom­men läßt, auf eine gute Art auszubessern oder zu verhindern.

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