Erstes Kapitel.
Die Thüre einer schönen ländlichen Wohnung öffnete sich. Ein fröhliches Lied singend, trat Thekla heraus, die zehnjährige Tochter. Mit leichtem Fuß schwebte sie durch den blumenleeren Garten, das Herz voll Liebe und Hoffnung. Als sie das Thor des Gartens schloß, blickte sie nochmal zurück nach dem elterlichen Hause, und nickte grüßend dem Vater, der am Fenster stand. Dann bog sic schnell um die Ecke und eilte dem Mühlbach entlang, wie im Wettlauf mit den rauschenden Wellen, die unter schwacher Eisdecke gleich Schatten -rasch dahin huschten.
Thekla trug ein kleines Körbchen am Arm, das die wärmende Mantillc, welche ihren Oberleib umhüllte, nur halb verbarg. Ihr Haupt war unbedeckt, doch hinlänglich geschützt durch die reiche Fülle ihres kastanienbraunen Haares, dessen Locken aus den weichen Zobelpelz herabsielen, als möchte» sie mithelfen, die zarte Herrin zu schirmen.
Wir wollen doch noch ein Mal nach unser» Kindern sehen, sagte sie freundlich bei'm Eintritt in das Wohnzimmer ihrer Freundin Rosa; wir wollen doch noch ein Mal ein kleines Familienfest mit einander feiern am Ende des Jahres.
