6

Zweites Kapitel.

Aus dem preußischen Pfaffenkriege.

Es war im Jahre des Heils 1472, also volle sechs Jahre der Waffenruhe nach Beendigung des dreizehnjährigen, blut- und thränenreichen Bürger­krieges durch den Thorner Frieden von 1466: als im Oktober noch eine verspätete Reihe von Holz­flössen oder Traften die Weichsel herabgeschwommen kam. Sie bestanden aus Baumstämmen, welche mit Bastseilen zusammengebunden und mit Brettern bedeckt waren, aus denen eine große Zahl Getreide­säcke ruhte. Dazwischen erhoben sich einzelne Bu­den aus Strauchwerk, Latten und Stroh, vor denen auf untergelegten Steinen und Erdhaufen kleine Feuer brannten. Irdene Töpfe, welche daneben standen, zeigten mit ihrem brodelnden Inhalt, daß es für die Bewohner dieses schwimmenden Dörf­chens bald Zeit war, die Abendmahlzeit zu be­ginnen. Auf ein gegebenes Zeichen legten denn auchalle Mann" die langen Ruder aus der Hand, mit welchen sie an beiden Enden jeder Trafte die Richtung derselben zu lenken bestrebt gewesen; ergriffen starke zugespitzte Pfähle und rammten sie mit mächtigen Holzschlägeln am oberen Ende jedes Flosses in das Wasser, bis dieselben Grund faßten und so das plumpe langgegliederte Fahrzeug zum Stehen brachten.