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lag nun vor ihr, jetzt sollte sie den ersten Schritt in dasselbe thun — mußte sie da nicht gedankenvoll sein?
ES war schon Abend, als der Wagen in der Hauptstadt einrollte und plötzlich umgab sie ein so geräuschvolles Treiben, daß die dessen gänzlich ungewohnte Rosa sich in die tiefste Ecke des Wagens zurückzog. Endlich hielt dieser vor einem großen schönen, aber etwas alterthümlicheu Hause in einer der Hauptstraßen, und Frau von Reichenbach rief aus: „Das ist das Haus des Onkels!" Sie betraten dasselbe. Wie weit, wie geräumig erschien alles dem jungen Mädchen, welches nur die kleinen Häuser ihres Städtchens kannte. Die neue Herrschaft wurde von den Dienenden freundlich empfangen, denn sie versprachen sich bei ihr ein besseres Leben, als sie es bei dem zwar guten, aber doch sehr stillen, alten Herrn geführt hatten. Marianne, ein freundliches Mädchen, welches in den letzten Jahren die Wirthschaft des Onkels besorgt hatte, begleitete die beiden Damen durch die prächtigen Gemächer. Frau von Reichenbach war in der heitersten Laune und machte schon hier und da ihre Bemerkungen über das, was verändert werden müsse. Aber so köstlich die Zimmer auch eingerichtet, so prächtig die Teppiche und Gemälde waren, welche sie schmückten, so fühlte sich Rosa in ihnen doch nicht glücklich, und viel lieber hätte sie alle diese Reichthümer gegen ihr trautes kleines Stübchen vertauscht. „Nun, wo willst Du denn wohnen, meine Rosa", fragte die Tante sie jetzt scherzend. Doch Rosa senkte den Blick traurig zur Erde, nachdem sie

