37

Hierauf fuhren sie zur Frau von Grünheim und kehr­ten erst spät in der Nacht nach Hause zurück. Rosa, welche zu aufgeregt war, um schlafen zu können, setzte sich an ihren Schreibtisch, um an Elise zu schreiben.

V :

Rosa an Elise.

So erhältst Du denn den ersten Brief von mir, meine beste Elise, aus der Stadt, in deren Vergnügun­gen so Viele das ganze Glück ihres Lebens suchen und zu finden glauben. Alles ist in diesem Augenblick still um mich her; das Geräusch auf den Straßen, das mir so ungewohnt ist, hat aufgehört, der stlberne Mond blickt freundlich in mein Zimmer, die Stunde der Mitternacht ist längst vorüber. So kann ich denn ungestört plaudern mit Dir, meiner einzigen Freundin; mit Dir, die ich unter Allen, die ich kenne, am innigsten liebe. Ach, Elise, wie ist doch hier Alles so ganz anders wie in meinem lieben Städtchen, wie ist doch hier das Sinnen und Trachten der Menschen so ganz verschieden von Deiner Denkungsart! Nur nach Vergnügungen jagt man, um die Zeit auf die an­genehmste Weise zu verbringen, dies scheint einem Jeden die wichtigste Aufgabe seines Lebens. Ich glaube, ja ich hoffe es fast, daß ich hier ganz auf mich allein angewiesen sein werde, denn wo sollte ich auch ein Herz finden, das dem Deinigen gleicht? Ein Herz, so edel, so schon, so