154 Gebe ich vorwärts oder gehe ich zurück
Christlichgesinntseyn oft nur zu sehr von Umständen, Zeit und Lrt abhängt. Wenn auch die Verschiedenheit nicht so groß ist wie zwischen Petrus in Gethsemane, Petrus in Caiphas Wohnung und Petrus auf dem Fest der Pfingsten, so daß es scheint, es wäre hier von drei verschiedenen Personen die Rede, muß dennoch mancher, der den guten Weg betreten hat, ausrufen: Ach, wie ungleich bin ich mir selbst! Dies alles erschwert die Antwort auf die aufgeworfene Frage. So mühsam aber die richtige Beantwortung unter manchen Umstanden seyn mag, unmöglich jedoch ist dieselbe für jeden, dem es ernstlich um Wahrheit zu thun ist, nicht. Mich deucht, es giebt einige Merkmale und Uebungen, die so sehr zum Wesen und zur Blüthe des christlichen Lebens gehören, daß wir dieselben sicher als Kennzeichen des Wachsthums im Guten, das Nichtdaseyn derselben als ein Zeichen des Rückgangs und zunehmender Lauheit ansehen dürfen.
Sollte es nicht ein solches untrügliches günstiges Merkmal seyn, wenn das Gebet, die tägliche und fortgesetzte Erhebung des Herzens zu Gott uns immer mehr zum Bedürfniß, wenn es mit der Zeit herzlicher, inniger, ernster, nachhaltiger wird? Eine solche Uebung und Zucht des Geistes kann in zweierlei Hinsicht uns Hoffnung

