214 Wie denkt der Christ über die Leiden

Sünden, als über unsere äußere Noth klagen. Ohne Sünde lebten wir alle im Paradiese, keine Leiden, keine Traurigkeit käme über uns. Aber befleckt, irregeleitet durch die Sünde, muß der Herr Kreuz und Noth senden, dem Einen zur Strafe, einem Andern zur Beschränkung in seinen Lüsten und zur Warnung, einem Dritten zur Reinigung und Läuterung. Das geschieht alles in Folge der Sünde und Uebertretung, alles, um unsrer Missethat, unsrer fleischlichen Schwachheit oder um der Härte unsers Herzens willen. Müssen wir dann nicht zunächst über unsre Sünden klagen, wodurch wir so sehr entartet sind, daß wir ohne Leiden und Widerwärtigkeiten nicht genesen kön­nen von unfern Sünden. Und dies um so mehr, da die Sünde selbst uns das bitterste Leid ver­ursacht. So schwer oft der Druck der irdischen Leiden auf uns ruht, nichts gleicht dem Schmerz, den die Sünde selbst ihren Knechten verursacht. Die Drangsale und Beschwerden dieses Lebens verursachen Schmerz und Traurigkeit, allein die Sünde gibt das Gefühl schmählicher Selbsternie­drigung und Schande. Die Uebel dieses Lebens geben dem Geiste oft Spannkraft und Erhebung, allein die Sünde erschlafft und vernichtet. Leiden und Trübsale werden oft leicht ertragen durch das Bewußtseyn ihrer kurzen Dauer, allein die