Hochzuverehrende Herren!
verehrte Anwesende!
Will mau sich des Ausspruchs eines deutschen Dichters bedienen der mit den inhaltvollen Worten: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht", den Werth des vorhandenen als ein Ergebniß der Vergangenheit bezeichnet, so dürfen wir an dem heutigen Tage mit Freude und mit dem Gefühl der Dankbarkeit gegen den höchsten Lenker der Welt auf die Geschichte und die Entstehung unserer Oberländischen Gemeinde zurückblicken.
Der Trieb der Erhaltung, die Liebe zu seinen Angehörigen, das Vertrauen zu Gleichgesinnten, welche der gütige Schöpfer in die menschliche Natur gelegt, hat vor fast drei Jahrhunderten, die unter dem Namen der Niederländischen Gemeinde bestehende Stiftung gegründet; ihrem Vorbild verdankt unsere Gemeinde ihr Entstehen, und es sei erlaubt, des Anfangs jener Stiftung zu gedenken, in deren späterer Entwickelung die Gründe liegen, welche unseren Vorfahren den Anlaß gaben, die Oberländische Gemeinde zu stiften.
Schon um das Jahr 1567 kamen die ersten Flüchtlinge aus Antorf, dem heutigen Antwerpen, hierher. Aus der Geschichte ist bekannt, wie dort der spanische Alba gehaus't, und wie Viele des Glaubens wegen ihre Heimath verlassen mußten; hier fanden sie gute Aufnahme, war doch Rath und Bürgerschaft ihrem Glauben zugethan; die gute Aufnahme veranlaßte sie, unser Frankfurt, als eine Stadt, die gut gelegen, wo es sich gut wohnen ließe, und wo man das Evangelium lauter predige, ihren Landsleuten zu empfehlen; und so folgten ihnen um das Jahr 1576 eine größere Anzahl, die von dem Rath Aufnahme begehrten. Der Rath gewährte ihnen mit der von

