5
„Hier gibt es keine Eheleute, sondern nur Sträflinge/ tönte die polternde Stimme des Profoßen. Auseinander! „Marsch in's Glied!"
„Ich werde den Vorsteher bitten —"
„In's Glied/
Zehnalek gehorchte; gesenkten Hauptes schritt er nach dem Zuge der männlichen Sträflinge, während das Weib jedoch einen Fluch murmelnd, stolz aufgerichtet seinen Weg nahm.
Die Züge begaben sich in die Kirche, zu deren beiden Seiten sie nach dem Geschlechte gesondert aufgestellt wurden. '
Zehnalek kam im Hintergründe, der Thüre nahe zu stehen, während seine Gattin vorne bei der Kanzel ihren Platz erhielt.
Anna fand ihn jedoch leicht aus der Menge heraus, da er Alle überragte und ihr Blick voll Liebe und Kühnheit haftete unabgewendet an dem Antlitze ihres Gatten.
Nun trat der Vorsteher Heger in hechtgraue Hauptmannsuniform gekleidet in die Kirche und mit ihm seine zwanzigjährige Nichte Pauline, eine zierliche, elegante Erscheinung, schlank, brünett, von feinem Teint und lieblichen Zügen. Ihr Kleid aus blaßrothem feinen Stoff entsprach den Anforderungen des Geschmacks und der Mode und umschloß äußerst knapp ihre auffallend hübsche Taille.
Auf dem Kopfe saß crn kleines, mit weißen Bändern geputztes Hütchen von Florentiner Stroh und ihr schwarzes Spitzentuch wurde durch eine einfache Broche zusammengchalten.
Das Mädchen begab sich mit dem Onkel in den Kirchenstuhl zur rechten Seite des Hochaltars, in dem

