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higet Charakter, ihre Mässigkeit und ihre einfache Lebensart sind die Ursachen, daß die meisten aus ihnen ein sehr hohes Aller erreichen.
Die Einsiedeley deS heiligen Hieronymus, welche unter allen am höchsten liegt, bewohnt je« derzeit ein junger Mensch, der in eine niedrigere herabsieigt, sobald einer von feinen Mitbrüdern stirbt; je alter sie werden, desto näher kommen sie dem Kloster, sie müßten denn lieber in den Einsiede- leyen bleiben wollen, die sie bisher bewohnt haben. Die Strenge der Lebensart vergrössert sich, je näher sie dem Kloster kommen, dem ungeachtet aber ist die Menge derjenigen, welche Ansprüche auf diese strengern Stellen machen, so groß, daß sich der Abt oft in Verlegenheit befindet, wem er sie geben soll. Der Ernannte nimmt dann von seiner neuen Wohnung Besitz, putzt die Kapelle aus, bringt die Bücher in Ordnung und zieht die Sanduhr auf; ist er mit diesen Arbeiten und mit den langen Gebeten zu Ende, womit er jene unterbricht, so besucht er den Garten, liest in der Gallerie die Sprüche, die an der Seite des Weihwassers und des Todtenko- pfts stehen, begießt die Levkojentöpfe, vollendet die (leinen Kreuze, vor deren Verfertigung seinen Vorgänger der Tod überraschte, und fetzt so dessen einfache Lebensart fort.
So leben diese Einfiedler, entfernt von der übrigen Welt, unbekümmert um ihr Treiben, ein stilles, zufriedenes Leben auf ihren Felstnspitzm.
