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er freilich auch anderes Gethier, das ihm vorkommt und das er bewältigen kann. Er überfällt die größeren Schildkröten, sobald sie an's Land kommen, und versteht es meisterhaft, ihr Fleisch mit der Pfote aus dem Panzer heraus zu schälen. Auch scheut er sich nicht, in die Gehöfte und selbst in die Stallungen einzubrechen und Hühner, Schweine, Ziegen, Esel und Pferde zu erwürgen. Gegen den Menschen verhält er sich fast wie der asiatische Tiger, dem er an Stärke'und Gewandtheit nicht viel nachsteht. Anfänglich weicht er dem Menschen aus, hat er aber einmal einen Angriff auf ihn versucht, so stellt er ihm dann um so eifriger nach. Kleineren Thieren zerbeißt der Jaguar gewöhnlich das Genick, größeren reißt er den Hals auf. Am liebsten bringt er die Beute nach einem Versteck im Dickicht, um sie dort ungestört zu verzehren.
Wegen des Schadens, den der Jaguar anrichtet, wird er erbittert verfolgt. Seine Jagd ist aber mit ähnlichen Gefahren verknüpft wie die Tigerjagd. Hetzt man ihn mit Hunden, so flüchtet er sich gern auf einen Baum. Von dort schießen ihn die Jäger herab, müssen aber dabei sehr auf ihrer Hut sein. Tödtet ihn die Kugel nicht sofort, so stürzt er sich wüthend auf den Schützen und sucht diesen zu zerreißen. Es gibt beherzte Jäger, welche selbst einen Kampf auf's Messer nicht scheuen. Sie umwickeln den linken Arm dick mit einem Schaaffell und wehren damit den ersten Angriff des Raubthiers ab. Gleichzeitig stoßen sie ihm von der Seite das lange Messer in's Herz. Am ungefährlichsten bleibt aber immer die Jagdweise der Indianer mittelst des Blaserohres. Aus dem Versteck schießt der rothe Mann das Thier mit dem kleinen Bolzen. Der Jaguar wird dadurch kaum stärker verletzt als durch einen Fliegenstich oder durch den Dorn eines Strauches. Er beachtet die kleine Wunde kaum. Nach wenigen Minuten aber wirkt schon das Gift. Das Raubthier sucht brüllend zu fliehen, fällt jedoch nach einigen verzweifelten Sprüngen zuckend zu Boden und stirbt.
Eine schwächere Sorte Gift und kleinere Bolzen wendet der Indianer an, wenn er den schön gefiederten Tukan oder Pfefferfresser schießen will, den wir vor dem Jaguar fliehen sehen. Manche Arten dieses Vogelgeschlechts kommen zu gewissen Jahreszeiten in großen Schaaren beisammen vor. Dann werden sie schonungslos erlegt und verspeist. Ihr Fleisch wird als sehr schmackhaft gerühmt. Andere Arten dagegen kommen nur einzeln vor. Es sind dies gerade diejenigen, deren Federn die Indianer zur Anfertigung ihres Kopfschmuckes verwenden. Diese Tukans schießt der Jäger mit schwachen Giftbolzen und betäubt sie hierdurch nur. Er zieht ihnen die wenigen Prachtfedern des Schwanzes aus, die er wünscht, und
läßt dann den Vogel wieder fliegen, damit er ihn möglichenfalls später abermals schießen und der neu nachgewachsenen Federn wieder berauben kann. Die Pfefferfresser halten sich am liebsten in dichten Baumkronen auf uud schlüpfen behend durch die Gezweige, um ^»nxt ihrem großen Schnabel saftige Früchte und Beeren zu naschen.
Das größte Wild der südamerikanischen Waldungen ist der Tapir. Zwei dieser schweineähnlichen Thiere sehen wir im Hintergründe des Bildes im Wasser stehen und mit ihren rüsselartigen Schnauzen die saftigen Blätter der Wasserpflanzen abweiden. Nur in unbewohnten' Gegenden kommt der Tapir auch am Tage zum Vorschein, sonst hält er sich im sumpfigen Dickicht versteckt und geht erst beim Einbruch der Dämmerung nach Nahrung aus. Er tritt dann Wege durch die Waldungen aus, die dem Reisenden leicht verderblich werden können, wenn er sie mit den Fußpfaden der Indianer verwechselt. Folgt er denselben, so geräth er in die ödesten Sumpfwildnisse, in denen er leicht umkommt. In den Pflanzungen richtet der Tapir mitunter große Verwüstungen an. Er schwimmt vortrefflich. Die jungen Tapire sind allerliebste Thierchen, mit bunten Flecken gezeichnet. Sie werden von ihrer Mutter geführt und herzhaft vertheidigt. Um sie zu schützen, stürzt die Alte selbst auf den Jäger los und sucht diesen nach Art des Wildschweines zu beißen und umzurennen. Das Fleisch des Tapirs hat viel Aehnlichkeit mit gutem Rindfleisch, und da ein erwachsenes Thier 3 '/-r Fuß hoch und 6 '/r Fuß lang ist, so gilt es unter Weißen und Farbigen als geschätzte Jagdbeute.
Zur Rechten des Vordergrundes gewahren wir noch ein anderes sonderbares Geschöpf, halb unter den Blättern des Arons versteckt. Es ist ein gemeines Gürtelthier, das uns zugleich durch seine Gegenwart auf die Mengen von Termiten uud Ameisen aufmerksam macht, welche sich im heißen Südamerika finden. Der feste Gürtelpanzer, der das Thier auf der Oberseite des Körpers bedeckt, schützt es zwar vor Verletzungen, macht aber auch seine Bewegungen ungelenk und langsam. Dagegen versteht es rasch mit seinen großen Krallen Höhlen zu scharren. Binnen drei Minuten gräbt es sich selbst in hartem Grunde vollständig ein. Am liebsten wühlt es Gänge unterhalb der Anreisen- und Termitenhaufen und frißt dann die Bewohner derselben. Er nimmt sie mit der klebrigen Zunge auf, die mit wurzelähnlichen Fasern besetzt ist. Außerdem verzehrt es auch zarte Pflanzeu- stoffe. Manche Ebenen sind durch die Gürtelthiere so zerwühlt, daß die Reiter mit den Pferden leicht durchbrechen und verunglücken. Das Thier wird deßhalb trotz seiner Harinlosigkeit sehr gehaßt und verfolgt. Das Fleisch wird verspeist.

