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SM-Amrrik
Brasilien ist das größte Waldland der Erde. Es wird durchströmt Vom mächtigsten Flusse der Welt, dem Amazonenstrom, der mit dem Aequa- tor ziemlich gleichen Verlauf hat. Zu beiden Seiten desselben breitet sich ein weites Flachland aus, durchzogen von zahlreichen großen Nebenstüssen, die von entfernten Gebirgszügen entspringen. Einzelne kleinere Flüsse Brasiliens enthalten in ihrem Geröll Gold und Diamanten. Alljährlich schwillt der Amazonenstrom bedeutend an und überschwemmt seine Umgebung viele Meilen weit. Die Ansiedelungen liegen auf crhöheten Stellen. Zur Zeit des Hochwassers können die Leute nur auf Kühnen mit einander verkehren und fahren mit diesen nicht selten stundenlang zwischen den Waldbäumen hindurch.
Die Waldung besteht aus vielen hundert verschiedenen Baumarten. Palmen wachsen hier in zahlreichen Arten. Viele Bäume erhalten eine gewaltige Dicke und eine riesige Höhe. An ihrem Grunde sind sie häufig von hervorstehenden Mauerwurzeln wie von Strebepfeilern umgeben. Zahlreiche brasilianische Bäume liefern geschätztes Fürbeholz und Nutzholz, aus andern erhält man Balsame und Harze. Aus dem Milchsaft des Kautschukbaums gewinnt man große Mengen Federharz.
Zwischen den stärkeren Stämmen bilden kleinere Baumarten das Unterholz. Von diesen zeichnen sich an schattigen Stellen die Baumfarrn durch ihr schön gefiedertes Laub aus. Eineu solchen sehen wir im Vordergründe zur Rechten des Bildes. Die jungen Farrnwedel sind zusammengerollt wie zierliche Uhrfedern. Vielerlei Straucharten klettern als Schlingpflanzen an den Stämmen empor. Berüchtigt ist von diesen vorzüglich eine Feigenart, der Mörderschlinger. Ein solcher hat den Stamm im Mittelgründe umklammert. Der Mörderschlinger legt sich mit seinen Klammerwurzeln rings um den Stamm, an dem er sich festhält. Diese Haftwurzeln wachsen mit ihren Enden zusammen und bilden dadurch Ringe um den Baum. Sie hindern das Dickerwerden junger Stämme und ersticken diese. Auf den Zweigen siedeln sich viele Schmarotzerpflanzen an. Hier finden sich prächtig blühende Orchideen, deren duftende Blumen die Gestalten von Schmetterlingen, Spinnen und Vögeln nachahmen. Am meisten ist von allen Orchideen die Vanille geschätzt. Eine ihrer Ranken schlingt sich an dem schwächeren Baumstamme empor, auf welchem die beiden Brüllaffen hinausklettern. Ihre langen Schoten gelten als köstliches Gewürz, riechen stark und angenehm und werden für den Handel gesammelt. Die meisten jener Pflanzen ziehen ihre Nahrung durch lauge weiße Wurzel- L büschel aus der feuchten Waldluft. Sie werden von prachtvollen Kolibri's
. (Brasilien.)
und eben so prächtigen Schmetterlingen ausgesucht, die sich von dem Honig derselben ernähren. Viele Tagfalter erreichen eine außerordentliche Größe, und ihre Flügel haben unübertrefflichen Metallglanz.
An Stechfliegen, Bremsen, Ameisen, Termiten und Asseln ist eben so viel Ueberfluß wie an Laubfröschen und schön gefiederten Vögeln. In den Gewässern wimmelt es von Fischen, Alligatoren und Schildkröten. Letztere dienen manchen Ortschaften als vorzüglichste Nahrung. Aus ihren Eiern bereitet man Oel. Es gibt in Brasilien sowohl Riesenschlangen, welche kleineren Säugethieren auflauern, als auch Baumschlangen, die den jungen Vögeln und Baumcidechsen nachspüren. Von Giftschlangen sind die Korallenschlange und eine Art Klapperschlange besonders gefürchtet. Die Hirsche, Rehe, Pecari's, Aguti's, Wasserschweiue und Tapire, welche hier in Brasilien Vorkommen, sind dieselben wie in Guiana.
Der Puma oder Kuguar wird auch als amerikanischer Löwe bezeichnet, hat aber keine Mähne wie der Löwe der alten Welt. Er ist eines der stärksten Raubthiere Süd-Amerika's und hält sich ebensowohl auf den Prairien wie in den Waldungen auf. In letzteren niacht er auf kleinere Säugethiere Jagd. Mit großem Geschick verfolgt er die Affen in den Zweigen der Bäume und macht dabei Sprünge 15 bis 20 Fuß weit von einem Aste zum andern. Den Schaafheerden der Ansiedler fügt er großen Schaden zu. Dem Menschen selbst wird er weniger gefährlich. Einige kräftige Jagdhunde überwältigen ihn leicht. Den Jäger greift er selbst nicht an, wenn er durch ihn verwundet ist. Er versteht es jedoch, sich schlau den Nachstellungen zu entziehen, und wandert gern aus einer Gegend nach einer andern.
Das Weibchen bekommt 2 bis 3 Junge, die es anfänglich in einem hohlen Baume oder ähnlichem Schlupfwinkel versteckt. Jung aufgezogene Puma's werden zwar zahm, so daß man sie im Hause frei herumlaufcn lassen kann, sie machen sich aber bald sehr unangenehm, indem sie spielend unversehens auf ihren Herrn anspringen und ihn dabei mit Klauen und Zähnen blutig verletzen. Die Hirten erlegen den von ihnen gehaßten Puma mit der Wurfschlinge (Lasso) oder den Wurfkugeln (Bola's).
Der auf unserm Bilde dargestellte Puma hat einen Ameisenfresser erfaßt und ist im Begriff, ihn zu tödten. Dabei kann er jedoch leicht empfindliche Wunden davontragen, die ihm, das geängstete Thier mit seinen starken Klauen beizubriugen vermag. Diese kräftigen Waffen dienen dem Ameisenfresser beim Aufsuchen seiner Nahrung. Er scharrt damit die festen Wandungen der Ameisen- und Termitenbaue entzwei und verzehrt dann die wüthend hervorstürzenden Insekten. Letztere sind in manchen Gegenden

