Chinesisches Drama in Wien
«^vir Europäer sind nicht zu curiren; und weil wir Wiener Europäer sind, so sind auch wir Wiener nicht zu curiren.
Ist die Rede von China, von den Chinesen, so fangen wir zu witzeln, zu naserümpfeln, zu lächeln, zu lachen nur an, um nicht aufzuhören zu witzeln, zu naserümpfeln, zu lächeln und zu lachen.
Und warum? Weil die Chinesen nicht so sind wie wir.
Machen es die Chinesen mit uns eben so? Ich zweifle.
Es ist wahr, sie haben entsetzlich viel Kindisches, unerklärbar Kindisches. Dessen hat aber auch jede andere Nation.
Aber nur nicht im Comödie-WesenNein, da sind die Chinesen in der That einzig. Da werden sie es uns nicht verübeln, wenn wir sie auslachen. Und wenn sie so weise sind, als sie wirklich sind: Ich wette, sie lachen selbst mit.
Zum Beyspiel!
Tritt eine Person auf, so hat sie zu berichten, wer sie sey, was sie sey, was es mit ihrem ganzen Ich für eine Bewandtniß habe. Sie muß eine Rede halten, in der sie sich selbst schildert; sie muß sich selbst characterisiren in einer Anrede, und das heißt dort in der Kunstsprache: Selbst- prasentation.
Stelle man sich also vor.'
Aber machen wir lieber selbst solch ein kleines Lustspiel.
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