Dies Spiel liatt’ er schon oft getrieben,
Bis er sein Bein einst wirklich brach,
Und jammernd auf der StraPse lag.
l)a ruft er: „Helft mir doch, ihr Liehen,
Ich schwor’ bei jenem Sonnenlicht,
Ich spafse diesmal wahrlich nicht.
Wo ist euer Mitleid denn geblieben?
So helft mir doch, mir armen Mann,
Und lafst mich nicht so lange liegen!“
Doch jeder Nachbar schreit, so laut er kann: „Such’ einen Andern zu betrügen!“’
So kommt der Lügner meistens an;
Man glaubet ihm selbst dann a u ch nicht, Wenn er einmal die Wahrheit s p r i ch t.
7. Das G e s p e n st.
Marlin schlich sich tun Mitternacht in den Schloßgarten, füllte zwei Säcke mit Obst, und wollte nun erst den einen Sack nach Hanse tragen, und dann den andern holen. — Als er mit dem Sacke so längs der Gartenmauer hinschlich, schlug eö es auf dem Kirchlhnrme eben zwölf Uhr; die Lust rauschte gar schauerlich in dem Laube der Bäume, und Martin erblickte plötzlich neben sich einen schwarzen Mann, der dienstfertig den andern Sack zu tragen schien.
Martin schrie, ließ den Sack fallen, und sprang, was er konnte, davon. Der schwarze Mann ließ den Sack auch fallen, und sprang eben so schnell neben Martin her. Am Ende der Gartenmauer verschwand er aber.
Martin erzählte am nächsten Morgen überall von dem gräßlichen Gespennste; nur daß er gestohlen habe, verschwieg er.
Allein der Amtmann ließ den Martin noch am nämlichen Tage zu sich kommen, und sagte zu ihm: Du hast diese Nacht in dem Schloßgarren Obst gestohlen. Die Säcke, auf denen deines Vaters Namen steht, haben dich verrathen. Ich werde dich deßhalb in den Thurm sperren lassen. Das schwarze Gespennst aber ist sicher weiter nichts gewesen, als dein Schatten, den du — da um zwölf Uhr der Mond ausging — an der neugeweißten Gartenmauer erblickt hast.
So gehts aber Jedem, der Unrecht thut. Jedes rauschende Blatt erschreckt ihn, und er läuft vor seinem eigenen Schatten.
Bewahr ein ruhiges Gewissen,
So wirft du niemals zittern müssen.

