-5. er ein schöner, blühender Knabe von kecker und her-

1 ausfordernder Haltung. In den Augen spiegelte sich

die Offenheit seiner Seele ab und eine freie, hohe Stirn, umwallt von blondem lockigem Haar, verrieth die Kraft des Denkens. Daß er unter solchen Um­ständen der Liebling seines Vaters werden konnte, ja, werden mußte, ist wohl erklärlich. Der alte Herr baute große Hoffnungen auf seinen Erstgebornen, denn er erblickte in seiner Zukunft einen trefflichen Bürger, einen warmen Freund des Vaterlandes, einen Helden, mit einem Wort einen großen Mann. Aber diese außerordentliche Vorliebe wirkte nachtheilig auf die Entwickelung und Erziehung des Jünglings. Der Graf, blind für jugendliche Auswüchse an der sonst trefflichen Natur, entschuldigte Unarten, die den Grund zu ei­nem später unüberwindlichen Starrsinn legten und zu schiefen Richtungen in der Anschauungsweise des ju­gendlichen Verstandes führten. Bald war der Vater nicht mehr Herr über seinen ältesten Sohn und mußte bei dem ausgelaffenen Jünglinge, als dieser die Hochschule zu Leipzig bezog , in Geduld vjele Dinge guthcißen, wider die sich eigentlich Herz und Gcmüth sträubten.

Vollendeter Gegensatz Karls war der zweite um einige Jahre 'jüngere Sohn, Franz. Ihm hatte die Natur bei der Geburt den Stempel der Gehüffigkeit aufgedrückt, so daß ec um dcßwillen schon minder die Zuneigung seiner Eltern und Umgebung sich erwerben konnte. Außerdem bildeten' bösartige Elemente die Grundzüge seines Charakters. Würden nun weise Strenge und besonnene Zucht eines liebenden Vaters