Fünf und dreißigste Betrachtung
Daß uns alles an unsre Unsterblichkeit erinnern soll, wenn wir das Abendmahl Jesu gemessen (*).
Bey der ehrwürdigen Handlung, welche ich jetzt vornehme, bey dem Genüsse des Abendmahles Jesu, dem ich mich jetzt nahen will, soll mich alles an einen Vorzug erinnern, den meine Schwachheit im Geräusch sinnlicher Zerstreuungen und Gesckäfte so oft vergißt, an den Vorzug, daß ich zur Unsterblichkeit bestimmt bin. Denn so einfach, so prunklos und natürlich auch die heilige Anstalt ist, der ich mich jetzt bedienen will: sie ist dessen ungeachtet voll tiefen Sinns, und voll hoher Bedeutung. Ich kann unmöglich den Leib und das Blut des Herrn würdig empfangen, ohne mich im Geist emporzuschwingen iiber alles Irdische, ohne die Würde eines edlen, zu ewigen
*) Fünfte Predigt des ersten Bandes vom Jahre 1797, in Verbindung mit der dritten Abendmahlsrede vom seligen Reinhard, welche in Hackers Materialien zu kleinen Amtsreden viertem Bändchen S, 149 157. befindlich ist.

