32

Wenn ich den Sohn Dir bring', erhalte ich Ein gültig Anrecht dann auf Deine Liebe,

Die Du so geru, ich weiß! geschenkt mir hättest,

War' theilbar sie. Doch lieh'st Du ihre Farbe Der Freundschaft oft, mit der Du mich beglücktest; Geseegnet sey dafür, Du treue Seele!

Und hüllt mein Aug' des Todes Nebel ein,

Mein letzter Seufzer dann, soll Laura seyn.

(Zu Romuald.)

Nun, Romuald! laß die Trompeten schmettern,

Entfalt' aufs Neu' der Neri Kriegspanier;

Das Gitter auf, die Brück' laßt niederfallen;

Hin auf den Feind, mit offenem Visier:

Guicciardo! laßt als Kampfesruf erschallen.

Alle (durcheinander schreyend, unter Erhebung der Waffen und Paniere, hinaus stürmend).

Guicciardo! Heil! Rache den Leria's!

Benecinto (Lauren wehmüthig die Hand reichend, und sie an seine Brust druckend, eilt ihnen nach. Laura sinkt auf ein Ruhebett oder einen Armsessel. Jsella und die Frauen um sie beschäftigt. Salvatiera wirst einen triumphirendcn Blick auf sie, und geht ruhig ab).

Der Vorhang fällt schnell.

Zweiter Auszug.

Erster Austritt.

(Spielt ungefähr 8 bis 14 Tage später.)

Morgendämmerung. Eine einsame Gegend auf dem Gipfel eines Berges. Wald; im Hintergründe eine Einsiedelei von Bäumen größtentheils versteckt.

Guicciardo (als Eremit langsam ans der Einsiedelei kommend, blaß aus­sehend, mit matter Stimme sprechend. Es wird nach und nach Tag). Die Sonne tritt hervor; und das Gewölke Umfaßt ein golduer Saum: Verbleichet ist Des Himmels ew'ge Perle, Luna's Licht.

Die Lerche steigt, und Nachtigallen flöten Dem Schöpfer ihren Dank und Morgengruß.

Ich leb' ein Pflanzenleben; thateulos;

Ein lebeud Todter wandle ich einher,

Und habe Kraft zu leben nicht, und doch Zu viele leider immer noch zum Sterben.

Selbst der Gedanke ist der Seel' entnommen,

Der ärmliche! Wie glücklich wäre ich,

Könnt' in der Phantasie Gebiet ich streifen,

Nach leichtem Nebel statt Gestalten greifen;

Ein Himmelstraum ist mehr als Erdenglück.