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Dritter Aufzug

Erster Auftritt.

(Spielt ungefähr einen Monat später.)

(Waldgegend wie in der ersten Scene des zweyten Aufzuges.)

Guicciardo. (Im Vorgrnnde sitzend.)

Noch immer sch' ich, Laura! dich vor mir,

Und neue Kraft hat mir das Gluck gegeben,

Dich zu betrachten, dich, du reiches Leben;

Doch sah als Benecinto's Gattinn, ich Dich, meiner Seele einziges Gefühl;

Mein Nachtgedanke und mein sel'gcr Traum:

2ch sah, Glück säend, dich, auf deinen Pfad;

Glück bringend, wen aus deinem Himmelsaug'

Der Strahl belebend trifft; Glück schaffend, wo Der Zanberklang der süßen Stimme tont.

Ich sah' dich, und ich habe nicht mein Leben,

Umweht von deines Athems Balsamduft,

Zu deinen Füßen ausgehaucht? (Pause.) Du gabst Mir große Kraft, oh Gott! hast mich gewürdigt,

Zu knieen vor der frommeu Dulderinn,

Und doch der sanften Seele Spiegel nicht Zu trüben; ungestört blieb ihr der Friede.

(Vorwärts kommend.)

Du Heil'ge! deine zarten Lilienwaugen,

Der hohen Stirne ernste Majestät,

Die Wimper sanft gesenkt, (der Trauerweide So ähnlich, die ein einsam Grab beschattet,)

Dein leichter Geistertritt, sie geben Zeugniß,

Daß du des fernen Freundes wohl noch denkest;

Und daß der Niesenkampf der herben Pflicht,

Der süßen Rose letzte Knospen bricht.

(Kurze Pause.)

Kann ich der Theuren Leiden auch nicht enden,

Könnt' ich von ihr doch manches Unheil wenden,

Ihr nützlich seyn; es wär' ein edles Streben,

Und meinem Daseyn dann ein Zweck gegeben:

Es kann das Unglück selbst ja hülfreich seyn. (Nachdenkens)

Wie könnt' ich nähern mich? Wie, nah' ihr bleiben? Gäb' es kein Mittel denn? Vielleicht so? Nein!

Es gehet nicht. Allein wie wär's ? Auch das Gelänge nicht. Doch könnt' als Knapp' ich nicht Ihm dienen, meinem Feind! und für sie sterben? Wie? kreuzen wolltest du das Schwert mit dem Der Brüder? deiner Vund'sgenoffen? Nein!

Wie'S Eine Sonne, gibt's nur Eine Tugend.