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dienen müßten. Eben so erzählte man ihm Geschichten von verständigen und fleißigen Kindern seines Al- rers, die es in allem Guten und Schönen schon sehr weit gebracht hatten und Peter entgtühte, ebenso gut und liebenswürdig zu werden. Hingegen schämte er sich nicht wenig, als sie ihm von einem Knaben erzählten, der in Hühnerhäuser kroch, jedes Thier quälte, i>nmer gezüchtigt werden mußte und sogar eine Kirche für ein Wirthshaus angesehen hatte. Das bin ja ich selbst, rief er sehr unbefangen, und setzte hinzu, so dumm will ich nicht inehr seyn! Dann mußt du dir freylich manches abgewöhnen, lieber Peter! sagten sie ihm, und besonders mußt du altern Menschen glauben und gehorchen lernen.
Schade nur, daß dieser Unterricht und diese so weise Führung, so kurz dauerte. Schon den zweyten Tag nach seiner Ankunft kam gegen Abend Johann, der alte Freund Peters und fragte dem Knaben nach, iveil er im Dorfe, besonders l,n Wirthshause, auf dre Spur geleitet worden war. Sobald der Knabe seinen alten Führer erblickte, flog er ihm mit unendlicher Lust entgegen, erzählte lhin, daß er eine neue Tante gefunden, daß er bey derselben sehr viel Gutes genossen und gelernt, besonders daß sie ihm keine Klapsen gebe, und daß er nun nie mehr zur vorigen Tante zurück kehren wolle.
Johann stellte ihin dagegen die entsetzliche Angst dieser letztern vor seit dein Tage seiner Abreise; versprach ihin alles Gute, wenn er wieder zurückkomme und besonders, daß rhn dieselbe nie mehr klapsen werde. Hier aber erschien ferne alte Unart, besonders sein Eigenwille wieder rn ferner ganzen Stärke. Mit der Kraft einer wahrhaft großen und heiligen Anhänglichkeit klammerte er sich an die neue Tante an. Es ivar als ahne er, hier nur könne ihm Herl wiederfahren. Hier nur, unter diesen gütigen, geordneten, weisen und festen Menschen, könne auch er noch zum Menschen gedeihen; da er hingegen bey der guten,
