Krapp.
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gliedert, liegt wagerecht in der Erde, erhebt sich an dem einen Ende bogenförmig, um, wo sie über den Boden hervorragt, sofort in den Stengel sich umzubilden. Fig. b. Diese Wurzel ist von einer rothbraunen Schaale bedeckt, unter welcher die sieischige Wurzelsubstanz liegt, die von röthlich gelber Farbe ist und einen schwachsüßbitterlichen zusammenziehenden Geschmack hat. In dieser letzteren, also nicht der Schaale, ist ein Farbstoff enthalten, mittels dessen man namentlich auf baumwollene Stoffe schwarze, braune, violette, rothe und orange Farbetönc Hervorbringen kann, die in gleichem Maße durch Schönheit und Aechtheit sich auszeichnen. Während also die ganze Krapppflanze, sowie auch ihre. Früchte, Tab. II. Fig.e. in technischer Beziehung wenigstens, von gar keiner Wichtigkeit ist, kann man dies umgekehrt von der Wurzel in hohem Grade behaupten. Und in der That ist das unter dem Namen Krapp viel gebrauchte Farbematerial nichts anderes, als die von der Schaale befreite Wurzelsubstanz.
Je werthvoller aber und geschätzter dieses Farbematerial ist, und je größere Massen davon in den Druckereien und Färbereien verbraucht werden, urn so umfangreicher und bedeutender ist auch der Anbau der Pflanze. In Frankreich ist es vorzüglich die Umgegend von Avignon, wo derselbe angetroffen wird; im Elsaß die von Mühlhausen, in Holland die Provinz Zeeland, in Deutschland die Pfalz, Baden und Schlesien und in Kleinasien die Levante. Aber auch Spanien, Italien, die griechischen Inseln, Thessalien, Böotien, Ungarn, auch Rußland haben insgesammt ihre eigene Krappkultur.
Daher wird er nicht überall von gleich guter Qualität gebaut (siehe Sorten); der levantische, der avignoner und der holländische Krapp verdienen vor dem elsaffer und dein schlesischen Krapp, sofern es sich um Schönheit und Festigkeit der Farbe handelt, unbestritten den Vorzug. Erwägt man, daß in den genannten Ländern doch nur immer ein und dieselbe Familie, nämlich Rubia tinctorum von der Gattung Rubia angebaut wird, vergegenwärtigt man sich z. B. die Vorzüge des levantischen Krapp vor der schlesischen Röthe, so zeigt es sich hier wieder recht deutlich, wie Sorgfalt in der Kultur und naturgemäße vortreffliche Beschaffenheit des Bodens und des Klimas aus einer minder werthvollen Pflanze eine veredelte und höchst werthvolle zu schaffen vermag. Unter den genannten Faktoren ist es nun aber die eigenthümliche Bodenbeschaffenheit, welche, wo 'sie fehlt, eine feine und ergiebige Krappkultur unmöglich macht, so günstig im Uebrigen auch die anderen Faktoren sich gestalten mögen. In meiner Droguen- und Farbewaaren- kunst (Baumgärtn. Buchh. 1851) habe ich uüch in Bezug hierauf folgendermaßen geäußert: Die Krapppflanze gehört zu den Kalkpflanzen 1 ), und verlangt demgemäß, um sich vollkommen entwickeln zu können, einen kalkhaltigen Boden. In drei eng aneinander angrenzenden kleinen Landschaften der Grafschaft Avignon verhält sich der Kalkgehalt des Bodens wie 93 zu 40 zu 8; in der ersten wächst und gedeiht der vortreffliche Palus, in der zweiten der minder gute Rose und in der dritten der werthlose Iaune 2 ); prüft man nun die Asche dieser 3 Krappsorten auf ihren Gehalt an Kalk, so findet man in dem Palus 40 °/ 0 , in dem Rose 16 % und im Iaune 6 %; Beweis genug, wie vor- theilhaft aufder einen Seite hinreichender Vorrath an Kalk, und wie nachtheilig auf der anderen Mangel an demselben aufdie Entwickelung derselben einwirkt. Es scheint selbst eine Differenz des Klimas nicht im Stande zu sein, bei kalkreicher Bodenbeschaffenheit
') Kalkpflanze nennt man eine solche, die nur auf einem kalkreichen Boden gedeihet.
2 ) Palus, Rose und Iaune sind 3 verschiedene Sorten avignoner Krapp. .

