123

Das einundvierzigste Gespräch.

JesuS lehret die Seele den eigenen Willen ablegen.

Jesus. Wenn du meine Freundin mich vollkom­men lieben willst, so mußt du deinen eigenen Willen * gänzlich ablegen, und gar nichts anderes wollen, «t- was Ich durch deine Obern will; übrigens ergib dich ganz geduldig, demüthig, gehorsam, vollkommen meiner Anordnung, indem auf der Erfüllung meine- Willen- «Oe Freude, Trost, Wollust, Ergötzlichkeit, Friede und Ruhe beruht. Du mußt das Vollkommenere des Gehorsam- willen verlasse» und aus Liebe zu mir daS Schlechtere annehmen, weil es nicht mehr schlecht, sondern besser und mir angenehmer ist, als daS Andere, Kannst oder darfst du nicht de- Gehorsams willen manchen Uebungen der Heiligen Nachfolgen, so folge ihren Tugenden.

Du kannst demüthig, geduldig, barmherzig sein, obschon du die Werke dieser Tugenden nicht üben kannst. Ich werde dir schon selbst Leiden zuseuden, mehr alS du wün­schen kannst. Lebe also ohne Willen; nichts kann dir begegnen wider meinm Willen, Befehl und Anordnung.

Ich bin'-, der zu deinem Besten daS Gute anordnet und daS Widrige zuläßt.

Seele. Handle mit mir. o Herr durch Dich, oder durch meine Obern. Denn du weißt, waö mir gut und nützlich ist; deine Sorge für mich ist viel größer, als ich selbst haben kann.

Je suS. O wie glückselig bist du, daß Ich dir mei­nen Willen rnd mein Wohlgefallen durch meine Lehre und den Gehorsam zu erkennen gebe; aber noch glück-

6 *