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schönsten Tugenden, die Würdigkeit der Verdienste, die Größe der ewigen Belohnung. O wer wird eS Dir mein einziger Geliebter sagen, daß ich vor Inbrunst der Liebe ganz schwach und krank bin. Wo bist Du mein Geliebter? Laß Dich ansehen; zeige mir dein allerschönfieö Angesicht. HoheS Lied. I. 6. II. 5. IIL 1. 2. V. 8.

Das einundfechzigste Gespräch.

Die Seele entflammt fich immer mehr und mehr in der Liebe.

Seele. Siehe mein Geliebter, Du bist schön und wohl geziert. Du bist schön. (HoheS Lied I. 15.) Denn Du bist die unendliche Schönheit, welche alle erschaffene Schönheit übertrifft. Du bist auch unendlich lieblich und freudenreich, begabt mit einer unendlichen Gewalt alle Gemüther zu deiner Liebe zu ziehen. O Gut über alle Güter! O Schönheit über alle Schönheil! von der alle Schönheit herkommt! Warum liebe ich Dich nicht eifriger, indem doch der Schatten der Schönheit die menschlichen Herzen an sich zieht. O mein Geliebter! Mein Aller­schönster! Zeige mir dein allerschönsteS Angesicht, damit mich dasselbe ganz einnehme, -an sich locke und von der Liebe der erschaffenen Schönheit, welche mit Dir verglichen, nur Häßlichkeit ist, gänzlich abwende. O mein Geliebter! ziehe mich zu Dir. Verbinde Dich mit mir durch daS Band einer vollkommenen Liebe. Vereinige mich mit Dir, damit ich deiner genieße, mich in Dir erfreue, von Dir gänzlich

ersättiget werde in Zeit und Ewigkeit. Spät habe ich Dich

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