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Das einundachtzigste Gespräch.
Der Seele wird das baldige Hinscheiden angedeutet.
Maria. L ebste Tochter! Diese wenigen Tage werden die letzten deines sterblichen Lebens sein. ES ist dir nicht unbekannt, wie herzlich ich dich liebe. Ich wünsche dir Alles, waS ich dir als eine wahre treue Mutter nur immer thun kann. Zeige mir an dein Verlangen.
Seele. Meine und meines geliebten Bräutigams liebste Mutter! Vom Grunde meiner Seele danke ich Dir für diese mütterliche Bothschaft und Wohlthat. Ich bitte dich o höchste Frau, gib mir deinen mütterl chen Segen, damit ich geduldig und verdienstlich die letzte Krankheit und die Todesängsten leide, und nur rein auö Liebe zu deinem göttlichen Sohne, meinem liebsten Bräutigam sterbe. Und sollte eS sein Wille sein und zu seiner Ehre gereichen, so begehret meine Seele dich demüth'gst anzuflehen , verlaß mich nicht im letzten Kampfe meines Lebens. Sondern verleihe, daß meine Augen begnadiget werden, in jenem Kampfe und bei meinem Hinscheiden dich und deinen allerliebsten Sohn anzusehen,' damit du Ihm meine Seele als ein angenehmes Opfer in seiner Gegenwart darbringest.
Maria. Liebstes Kind! 'Welche Schmerzen und Peinen sollten dir hart und schwer Vorkommen, wenn du dann eintrittst in die ewige Freude deS Herrn? Ja mein Kind! ich wünsche dir Glück deines glückseligen Hinscheidens wegen, und daß du schon so nahe daran bist, von den Beschwerden deS sterblichen Fleisches erlediget, als eine Selige das unendliche Gut zu genießen, und die Freude sei-
