untergegangen seyn, wenn sie nicht in der christlichen Religion und Kirche, und diese nicht wieder in der römischen Hierarchie ihren gemeinschaftlichen Mittelpunkt gefunden haben würden. Ja, sie, die römische Hierarchie, war bei der Zersplitterung Europas in so viele unabhängige Herrschaften der einzige Vereinigungspunkt, welcher den Nationalhaß der, Völker beschwichtigte, diese einander näherte und durch vielfältige Berührungspunkte vereinigt erhielt; auf der andern Seite aber ebenso den naturwidrigen Bestrebungen nach einer die Eigenthümlichkcit der Völker vernichtenden Universalherrschaft — unter den fränkischen und schwäbischen Kaisern — ein heilsames Gegengewicht bildete, dem ritterlichen Geist des Mittelalters die Richtung gegen die" Ungläubigen gab und durch seinen Einfluß Jahrhunderte hindurch die Religion zum geheiligten Feldzeichen gegen den gemeinschaftlichen Feind der Christenheit und der Bildung erhob.
Doch diese Bestrebungen zur Herstellung eines gemeinsamen Zusammenftehens der christlichen Völker, welche am glänzendsten in den Kreuzzügen und ihren Folgen erreicht wurden, diese Bestrebungen werden vielleicht eher als Verdienst der Hierarchie anerkannt, als die Einschreitung derselben in die Administration der Staaten selber. „Wer gab den Päpsten das Recht," fragt man, „sich in die innere Negierungsverhältnisse der Fürsten zu mischen?" Und Geschicht- kenner, welche durch die Confefsion, der sie angehören, und die Grundsätze, zu denen sie sich bekennen, über

