18
Leben im Oriente.
scnkuppel steht, die 180 Fuß lang, i 15 Fuß breit und vom Boden aus 105 Fuß hoch ist. Vier Granitsäulen tragen oiese kühne Wölbung, und 170 andere zählt man außerdem noch im Innern der 269 F. langen und 245 F. breiten Kirche; die schönen Decken- und Wandgemälde indessen sind verschwunden, da der Koran bildliche Darstellungen von Menschen und Heiligen verbietet. An ihre Stelle hat man kolossale Inschriften von Gold ans farbigem Grunde gesetzt, deren Buchstaben oft 10 Ellen hoch sind und bei großen Festen durch Tausende von bunten Lampen erleuchtet werden, weil sie Koranverse enthalten. Daneben hängen bemalte Straußeneier, künstliche Blumensträuße und Rausch- goldgnasten in Ringen und Windungen von dem Gewölbe herab. Dazwischen schimniern int sanften Lampenscheine die acht grünen Serpentinsäulen vom Tempel zu Ephesus neben den acht rothen Porphyrsäulen aus dem Sonnentempel zu Rom, die auf Fußgestellen von weißem Marmor stehen, in märchenhaftem Glanze und zwischen ihnen die zwei ungeheuren Marmorkrüge von der Insel Marmara, von denen jeder 1000 Metzen Hafer fassen soll, die jetzt aber als Wasserschalen benutzt werden.
Die 1500 Jahre alte Sophienkirche war zu ihrer Zeit das großartigste Bauwerk, von dem Kaiser Iustinian bei der Einweihung sagen konnte: O Salomo, ich habe dich überwunden! Bor dein Säulenhofe empfing ein Iaspisbecken den Wasserfall eines Springqnells. Um ihn standen 12 Säulen, neben ihnen steinerne Löwen, aus deren Munde Wasser stürzte. Die Vorderfront schimmerte in bunten Farben, da sie mit geschlissenen bunten Steinen bedeckt war; auf gleiche Weise war der Fußboden im Innern mit bunten Marmortafeln belegt, die man zu lieblichen Bildern gruppirte. Die untere Säulenreihe im Innern war von rothem Porphyr Aegyptens, die obere von grünem thessalischen Marmor, Blätterranken mit Vögeln und Blumenguirlanden schmückten die Wände, und der Goldgrund des Deckengewölbes war wiederum mit Mosaikfiguren ausgelegt. Von Gold und Silber schiminerten Altar und Kanzel; Silbertafeln trennten den Altar vom Hauptschiff, Silbertafeln deckten die Wände, 12 silberbeschlagene Säulen trugen oben große Silberschilde, auf denen Silberstatuen standen. Aus Silber und Gold war die Altarnische, silbern das thurmhohe Zeltdach mit dem Erlöser am Kreuz, und über ihm trugen vier Säulen einen achteckigen Aufsatz, der in einer Spitze mit einem Silberkelch endigte. Feenhaft war der Glanz, wenn die Lichter auf den hohen Silberleuchtern brannten, und tausendfach ihre Strahlen sich brachen an den geschliffenen Steinen, an den Silbertafeln und den Goldblättern. Jetzt ist die Kirche Moschee, aller Schmuck ist herausgenommen, leer sind die Wände, die Säulen bröckeln, die Fenster sind morsch, und die heiligen Tauben, die hier geduldet werden, verunreinigen Galerien und Säulencapitale. Ebenso verfällt auch das Schloß der sieben Thürme, ein altes Eastell am Meeresufer, in dessen Thürmen der Sultan die Gesandten gefangen hielt, mit deren Staat er Krieg führte.
Der Morgenländer hat kein anderes öffentliches Leben, als seinen Han-

