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Von der Kürze und Hinfälligkeit des menschlichen Lebens.
Der Mensch fließt fort, wie ein Strom zum todten Meere. Alle sind Wirdes Todes tägliche Beute. Jeder Augenblick fließt dem Grabe zu, indem der Mensch aufwächst, nimmt sein Leben ab. Unsere Geburt selbst ist nichts Anderes, als der Anfang des Todes. Was bist du also, o Mensch! auf Erden? Dein Leben geht dahin wie Schatten und deine Tage verfliegen wie die Wolken. Wie der Wind den Staub auf dem Wege fortreißt, so flüchtig bringt dich die Zeit zum Grabe. Du lebst, als wenn es für dich eine Ewigkeit hienieden gäbe, und in wenigen Tagen kann dich der kalte Tod bei deiner Hand ergreifen. O Jugend, schaue hin auf die blühende Rose, bei der Morgenröthe prangt sie mit ihrem Purpur und bei der Abenddämmerung sagt sie: Ich bin verblüht; sie ist dein Bild, nach wenigen Stunden kannst du das werden, was sie geworden.
Und doch sitzen wir stolz auf dem Cothurn dieser Erde, mit Unsterblichkeit umgeben, vergießen wir dennoch Thränen über Elende, und sind selbst nur^,geboren, um würdig zu seyn, zu sterben; beweinen den Tod und den Verlurst so vieler Freunde, und haben doch selbst kein anderes Ende, als zu sterben, um nach abgestreifter Hülle des Leibes das Gewand der Unsterblichkeit anzuziehen. Was ist also der ganze Pomp und Triumph unseres Lebens anders, als blühende Felder, die

