i» Leben und Schicksale

wieder einzufinden. Ich dachte, sonst war alles ruhig uttd still in dir, nichts störte dich in deinem Studieren, und nun solche Aufwallungen des Bluts, solche Unru- i hen ! Das kann unmöglich der richtige Weg zu deinem Glücke seyn! Ich blieb zu Hause bey meinen Büchern, und meine Unschuld war gerettet. Jünglinge, die ihr dieses leset, o möchtet ihr eben so glücklich seyn, als Dauerschubert, den Versuchungen des Lebens durch ge­hörige Selbstschätzung und Achtung auf euch selbst, auszubeugen!

Ich bin nun zu Ende mit den Selbstgeständnijsen, die Bauerschubert so oft von sich selbsten machte. Was weiter folgt, weiß ich theils aus den glaubwürdigsten Zeugnissen seiner Mitschüler und anderer redlichen Män­ner, deren Aufmerksamkeit Bauerschubert schon in frü­her Jugend auf sich zog; Heils hatte ich selbst Gelegen­heit, da ich acht Jahre als vertrauter Freund an sei­ner Seite lebte, ihn in verschiedenen Lagen des Lebens zu beobachten, und seine vertrauliche Mitteilung über Ursache und Folge seines Benehmens und seiner Hand­lungen, zu genießen.

Fast einstimmig ist das Urtheil von Bauerfchuberts Mitschülern:Er kam schon als ein recht guter Latei­ner nach Münnerstadt, aber sein Aussehen war düster und sein Benehmen ungesellig, doch schimmerte immer unter seinen finstern Blicken ein und der andere kräftige Strahl von Menschenfreundlichkeit und Schuldlosigkeit des Herzens hervor. Der gute Erfolg, der mit vorge- ' nommenen strengen Prüfung, und noch mehr, der kleine Umstand, daß der Bruder Koch, Felix, sein Oheim war, machten, daß er bey aller seiner drückenden Armuth, km Kloster wohl gelitten war. Ein Umstand, den sonst genaue Kenner der Klosiersitten, nicht immer gefunden ha­ben wollen«