Z4 Leben und Schicksale*

waren nicht nach dem Gewohnheits- und Fassungs­vermögen des katholischen Landmanns, genau genug berechnet. Fast gerathe ich in Versuchung, zu diesen Ursachen, warum es Bauerschubert an seinem Orte nicht gefiel, und er seinen Filialisten nicht gefallen wollte, die große Dürftigkeit zu rechnen, mit welcher er noch in Rücksicht seiner häuslichen oder ökono­mischen Lage zu ringen hatte, und seinen Aufenthalt bey einem Pfarrer, der allgemein in Rufe eines De­spoten gegen seine Kapelläne, stand. Letzteres war für Bauerschuberts feffelfrryen Geist, keine geringe Pein, und ersteres ist eine gewöhnliche Erscheinung da, wo der Landmann, wie das der Fall in dieser Gegend ist, unter die wohlhabenden gerechnet zu werden verdient. Wenn die Pfarrer, Capelläne und Schullehrer so arm sind, nicht so üppig essen, nicht gastfrey sey, und sich nicht so vorzüglich kleiden können: so scheinet ein Mangel an Zutrauen gegen sie einzutreten, und alles Ansehen sich zu vermindern. Sie benehmen sich denn immer gegen ihn, als wenn sie sagen wollten: was wird uns der arme, Nah­rung- und kleiderlose Wicht geben können, das wir nicht schon wett besser besitzen! Cie schließen vom Leiblichen auf das Geistige fort, und dieser Schluß wirkte in dem besonderu Falle bey Bauerschubert desto kräftiger, .je dürftiger seine eigenen Vermögensum- stände, und auf diesem seinem Posten seine Besoldung war, und je weniger für ihn aus ebenberührten und noch mancherley Ursachen, auf geraume Zeit eine gün­stigere Aussicht zu Wendung seines harten Geschicks, zu hoffen war.

Wenn man billig zu seyn gelernt hat, so wird man wohl fühlen: baß die Hälfte der angeführten Ursachen schon hinreichend gewesen wären, vielen an-