5

Am grünen Donnerstage.

der Herr zu Petrus sagte: Werde ich dich nicht waschen, so hast du keinen Theil an mir. Werdet ihr euch schämen, dem Geringsten eurer Brüder zu dienen: so werdet ihr keinen Theil an Jesu haben. Denkt, meine Lieben! an den armen Lazarus und den reichen Mann. Dieser bekümmerte sich an sei­ner prächtigen Tafel auch nicht um den Armen, der vor seiner Thür traurig saß. Was geschah? Der Heiland sagt: Der Reiche starb und der Armestarb; jener wurde in die Hölle begraben, dieser kam in Abrahams Schooß. Diese Parabel, die Jesus selbst erzählt, ist äußerst merkwürdig; und ich kann nicht begreifen, wie ein Reicher, wenn er sich an diese Rede des Heilandes erinnert, sich noch schämen kann, dem Geringsten seiner Brüder zu dienen.

Nun, so habet denn bey jeder Gelegenheit, wo ihr euerm Nächsten einen auch noch so geringen Dienst erzeigen könnt, jedes Mahl den im Füßewaschen be­griffenen Heiland vor Augen. Göttlicher Jesus! sprechet zu euch selbst, du, mein Herr, hastdich nicht geschämt, Knechtsgestalt anzunehmen, und ich sollte mich-schämen, meinen Brüdern zu dienen? Nein! das will ich nicht; dem Armen will ich meine Hän­de biethen, wenn er in Noth steckt; dem Geringsten will ich mit eben der Achtung begegnen, wie dem Größten. Ja, dem Verachteten will ich noch weit mehr Helfer feyn, als dem Vorgezogensten, der wei­nenden Armuth will ich die Thränen abtrocknen, in der geringsten Hütte will ich meine Brüder suchen und gern stndcn, der Umgang niit dem Geringsten soll mir so lieb und thcuer und theucr seyn, als die Gesellschaft des Vornehmsten.

Das, m. L. sind Vorsähe, die dem Christen Ehre machen und die haltet euer Leben lang. Ich