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Am CharfreyLage.

zählen, mit nassen Augen an Jesu am Kreuze han­gen , vielleicht auch über die Juden zürnen, daß sie Jesurn so grausam behandeln konnten. Das iss aber auch ihr ganzes Mitleid mit Jesu. Statt, daß sie sich selbst als die Ursache der Leiden Jesu anklagen sollten, zürnen sie über die Juden, welche Jesum mordeten. Sie bedenken nicht, was von Je­su in den heil. Büchern geschrieben ist: Er trug auch unsere Sünden an seinem Leibe, für uns ward er hingegeben, für uns ward er gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Und wo der Mensch nicht jedes Mahl beym Anblicke Jesu am Kreuze, in sich zurück­kehrt, und zu sich selbst sagt: Sieh', deine Unge­rechtigkeit ist es, für die der Gerechte am Kreuze blutet! Siehe, deine Schuld ist es, für die der Unschuldige büßet! da ist alles Mitleid initJesu un­nütz und vergeblich. Und so ein unnützes und ver­gebliches Mitleid werden heute manche mit Jesu ha­ben. Es ist zwar auch möglich, daß rohe und ge­fühllose Menschen bey dem Anblicke des Gekreuzig­ten gar nichts empsinden. Menschen, arger als Ju­das, den doch noch eine Reue ankam, die aber eben zu seinem Verderben war, weil Verzweissung daraus entstand. Allein, der Menschheit zu Ehren wist ich es glauben, daß es nur wenige so gefühllose Seelen gibt. Größer ist aber gewiß die Anzahl derjenigen, die heute Mitleid mit Jesu empsinden, aber ein ver­gebliches und unnützes Mitleid, weil sie eigentlich nicht aus den Grund zurückgehen, warum Jesus Mitleid verdienet; weil sie über Jesum weinen, und es vergessen, daß ihre Sünden es sind, die Jesu so viele Leiden verursachten. Der Unkensche, der Wollüstige, der feilten Leib zur Sünde miß­braucht , sieht z, B. Jesum von tausend Gei-