Am zweyten Sonntage nach Ostern. 55

Melsungen, sind oft nützlicher als lange Predigten : weil der gemeine, ungelehrte Christ oft nicht Lust und Kräfte g-nug hat, eine längere Rede zu behal- Lech oder zu überdenken.

Hausvater, Vorsteher, Aeltern und Herren, versäumet es also doch ja nicht, Allen, die auf euch merken, hur und da etwas Gutes zu sagen. Gibt euch das Betragen eurer Kinder oder Hausgenossen Anlaß dazu: so vergesset nie, wo ihr nur immer könnet,, eine gute Lehre anzubrrngen. Ihr bemerket z. B., daß ein Kind das andere beneidet, welches ihr vielleicht daraus abnehmen könnt, daß eins auf das andere, wenn es etwas erhalt, schel Hinsicht: 0 so sehet das nur nicht gleichgültig an; saget ihm, daß gute Kinder einander nicht beneiden dürfen, daß der Neid ein abscheuliches Laster sey, daß man sich ja nicht an Neid gewöhnen dürfe, wenn man seiner eigenen Ruhe und Zufriedenheit nicht immer feind feyn wolle; erzählet ihnen ein passendes Exempel aus der biblischen Geschichte; etwa in diesem Falle die Geschichte der Brüder Josephs, die ihren Bruder auch beneideten, und daran sehr unrecht chaten. Werden eure Kinder unwillig, wenn ihr sie von einem Spiele zur Arbeit rufet: so sehet dq§ wieder nicht gleichgültig an; gebet ihnen die gute Lehre; daß man sich nicht immer nur freuen, und mit Spielen vergnügen; sondern auch arbeiten, und durch Arbeit sein Vergnügen verdienen müsse. Er- eingnet sich sonst ein Vorfall; so benutzet ihn alle­zeit dazu, denen, die unter euch stehen, heilsame Erinnerungen darüber mitzutheilen. Ihr habt z. B. allerley Hauskreuze; saget den Eurigen: Gott sucht die Menschen auch oft durch Widerwärtigkei­ten heim; da muß man also geduldig und standhaft