18 Am Sonntage nach dem neuen Fahre.

Köche nicht zu erkünsteln vermag. Arbeit und kör­perliche Bewegung tragt mehr zur Erhaltung und Befestigung der Gesundheit bey, als alle Arzneyen. Und gibt es wohl ein edleres, ein wünschenswerthe- res Gut auf Erden, als Gesundheit? Verlieren nicht alle Güter und Schatze dieser Erde mit dem Verluste der Gesundheit allen ihren Werth, und al­len ihren anscheinenden Reih für uns? Und nun, wer genießt die unschätzbare Wohlthat der Gesundheit mehr ihr oder jene vermeinten Glückseligen, welche ihr um ihre anscheinende Glückseligkeit immerwährend beneidet? Ich frage euch be­dürfen wir zu unserer wahren Glückseligkeit dieses Er­denlebens wohl mehr, als feste ausdauernde Gesund­heit, und bey dieser die Befriedigung unserer drin­gendsten Bedürfnisse? und so wir jene und diese haben, haben wir nicht hinreichende Ursache, zufrie­den zu seyn zufrieden zu sehn mit unserer Lage, mit unserem Berufe?

Legt nicht unsere heilige Religion uns diesen Sinn in das Herz, daß wir yollkommen beruhiget, getröstet und zufrieden sehn sollen, wenn wir das Nothdürftige besitzen? Mit Wenigen zufrieden le­ben, ist wahre Weisheitund wer kann leichter im Besitze und Genüsse dieser Weisheit seyn, als ihr, da euer Stand bey weitem jene Bedürfnisse nicht gebiert, als die so genannten höheren Stände? Wohl euch also Andächtige! daß ihr die meisten Dinge entbehren könnt, welche jenen zur Glückselig­keit dieses Lebens unentbehrlich sind!

Freylich haben die höhern Stände auch wie­der ihre eigenen Freuden und Vergnügungen. So ist z. B. der erhabene Stand eines Regenten, ge­wiß mit vielen Sorgen und Unannehmlichkeiten ver-