AufMaria Verkündigung. 4S

und Keuschheit ist eine köstliche Tugend. Ihren köstlichen Werth zeige ich euch im i sten Theile. Sie zu erhalten und zu be­wahren, muß daher aller Menschen Sorge seyn, im «ten Theil.

Reineste aller Reinen, Keuscheste aller Keu­schen ! Möchte mein Herz und mein Mund so rein, so keusch seyn, wie dein Herz, dein Mund waren, um die dir so theuere, so köstliche Tugend, den hier versammelten Christen, deinen Pflegkindcrn, nach Würden empfehlen zu können. Doch, was mir mangelt, das ersetze dein schönes Beyspiel!

Erster Theil.

Es war einmahl eine Zeit, wo keusche Jüng­linge nnd Jungfrauen die größte Seltenheit auf Gottes Erdboden waren. Es war dieß die Zeit vor Entstehung des Christenthums, wo der Verfall der Religion bis auf die niedrigsten Volksclafsen her- abgedrungen war. Religionsverfall hat immer den Verfall guter Sitten in seinem Gefolge. Die all­gemein überhand genommene Unkeuschheit war also damahls eine Fölge des tiefen Verfalls der Religion. Sagen wollen, daß diese unselige Zeit, von der ich sprach, wieder zurückgekehrt sey; sagen wollen, daß jetzt, wie ehemahls, keusche Jünglinge und Jung­frauen die größte Seltenheit seyn, wäre allerdings zu viel gesagt: hieße mit Ungerechtigkeit die Be­schaffenheit unserer Zeiten würdigen. Denn ich, für meine Person, kenne noch so manchen keuschen Jüngling, so manche keusche Jungfrau, noch so manchen keuschen Ehemann und Eheweib; sie sind oft im Stillen der Gegenstand meiner Achtung und Verehrung, die Freude meines Herzens, und der Volks - predigt, zr Vand? D