5fr Auf Maria Verkündigung.

bk, wie süß, wie köstlich e§ sey, eineS keuschen reinen Herzens sich stets rühmen zn können.

Die Tugend der jungfräulichen Reinigkeit und. Keuschheit ist ein Gut, das über alles, was nur Güter heißt, weit erhaber ist. Sie hat einen innern Werth, nichts in der Welt vermag, wenn sie ein­mal)! verloren, ihren Werth zu ersetzen. Sie ist an und für sich köstlich, wie die Tugend überhaupt. Sie hat einen Adel in sich, den sie nicht von den bloßen Urtheilen und Meinungen der Menschen er­hält. Sie besteht für sich, ist liebenswürdig an und für sich selbst; sie muß also auch um ihrer eigenen Schönheit willen geliebt, geschaht und bewahrt wer­den. Der Keusche muß nothwendig Achtung vor sich selbst haben, der Unkeusche aber stch selbst ver­achten. Durch Keuschheit grenzt der Mensch an die Engel, durch Unkeuschheit aber wird er ein ver­ächtliches Thier. Das keusche, jungfräulich Herz darf man nur kennen, um es zu schätzen, zu achten und zu lieben.

Euer eigenes Urtheil, Andächtige! muß bestä­tigen, was ich so eben gesagt habe. Kön tt ihrvon einen wahrhaft keuschen Jüngling oder Jungfrau anders, als mit Achtung sprechen? Könnt ihr von einem Jüngling oder Jungfrau etwas vortrefflicheres sagen, als, er ist ein keuscher Jüngling, sie ist eine keusche Jungfrau? Wenn euch dergleichen unter dir Augen kommen, fühlt ihr nicht innerlich etwas, .das euch Achtung und Ehrfurcht abdringt? Kann man an einem Hochzeittage einem Vater, einer Mut­ter, einem Bräutigam etwas Ehrenvolleres sagen, als: ihr gabt eine wahrhaft keusche Jungfrauschaft ihr empfinget eine solche! Väter und Mütter, über was klagt ihr, weint ihr untröstlicher, als über