Auf Maria Verkündigung.

54 -

Unsterblich ist sein Ruhm, bey Gott und den Menschen stehet es in Ehren.

Also nicht nur in den Augen der Menschen hat die jungfräuliche Reinigkeit und Keuschheit ei­nen Werth, sondern auch vorzüglich in den Augen Gottes wird sie über alles gewürdiget. Der zweyte Grund, der euch diese Tugend über alles schätzbar machen muß.

Wie kann es auch anders seyn, als daß diese Tugend von Gott über alles geschätzt werde? Er ist ja die Heiligkeit selbst. Deßwegen konnte er sich auch unmöglich gegen diese herrliche Tugend unbe- zeugt lassen. Allein, wo hat er sein großes Wohl­gefallen an dieser Tugend wohl deutlicher je zu Ta­ge gelegt, als eben an Maria, dieser reinen, dieser keuschen Jungfrau? Längst schon war dem sündigen Menschengeschlechte ein Heiland versprochen worden; aber noch war die Person nicht da, die die würdige Mutter von demselben hätte abgeben können. ES mußte ja wohl die reinste, die keuscheste Jungfrau seyn, die den Reinsten, den Heiligsten empfangen sollte. Maria ward die Mutter des längst ge­wünschten, längst versprochenen, langst gehofften Weltheilandes. Und dieß Mutterwerden war für sie die ausgezeichneteste Belohnung ihrer jungfräu­lichen Unschuld, Keuschheit und Reinigkeit. So oft ihr demnach hier Maria, als die Mutter unse­res Herrn begrüßet und verehret, so oft laßt euch einfallen, wie hochgeachtet vor Gott die jungfräu­liche Unschuld und Reinigkeit sey.

Auch selbst das Betragen der Maria kann uns von dem großen Werthe dieser Tugend überzeugen. Wie eingezogen, wie wachsam, wie beschäftigt, wie nüchtern war ste immer, um nur diesen theuern