Go An einem Tage in der Bittwoche.

zeigen, was eigentlich unter Gottes Segen zu ver§ stehen sey, und zwar

I. Worin Gottes Segen bestehe.

II. Was man zu thun habe, wenn nun ihn sicher erlangen will.

r. Wenn vom Segen der Menschen geredet wird: so verstehet man darunter die Anwünschun­gen alles Guten, weil wir unsere Liebe gegen an­dere oft durch nichts sonst beweisen können, als durch gute Wünsche. Weil aber Gott alles thun kann, was er will, so ist sein Segen nicht blosi Wunsch, sondern vielmehr Gottes Gabe, Got­tes Wohlthat. Alles Gute, was uns Gott zu- stießen laßt, pflegen wir. Gottes Segen zu nen­nen. Da wir nun unsere Güter in leibliche und geistliche einzutheilrn pflegen: so ist auch der Se­gen Gottes zweyerley, der geistliche und der leibliche.

Ein geistlicher Segen ist es, wenn man mit der Zeit immer verständiger wird, und einsehen lernt, was gut und nicht gut sey. Ein Segen Gottes ist es, wenn unser Geist wachst an Kraft und Starke, die sinnlichen Begierden zu beherrschen, und das auszuführen, was er sich vorgenommen hat. Auch ist ein frohes Herz bey der Arbeit, ein ruhiges Ge- müth bey den Widerwärtigkeiten des Lebens, ein getroster Muth bey herannahenden Gefahren, »als ain Segen Gottes zu betrachten. Denn wenn wir nur denken, woher wir alle diese vortrefflichen Guter erhalten haben: so werden wir am Ende immerauf Gott unfern Vater, den weisen Regierer unserer Schicksale geleitet. Haben wir bey der Geburt mehrere Seelenkraftr als andere Menschen empfan«