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Am zehnten Sonntage nach Pfingsten.
Von der gütigen und nachsichtsvollen Be- urtheilung unsere Nebenmenschen.
Text.
Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin, wie andere Len» te, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie . dieser Zöllner da. Luk. XVIII. n.
§)as heutige Evangelium stellt uns einen demü- thigen und reuevollen Sünder, und dann einen stol- ßen, sich gerecht dünkeüden Pharisäer auf. Laßt uns zuerst den demüthigen Sünder betrachten! Schon feine Stellung zeigt Demuth an. Er steht im Tempel von ferne, als einer, der sich für unwürdig halt, dem Heiligthume naher zu treten. Die Augen zur Erde gesenkt, das Herz voll Reue, und das Angesicht voll Scham. Er ist von seiner Unwürdigkeit durchdrungen, und weiß nichts anders zu sagen,
als: Gott sey mir armen Sünder gnädig.
Laßt uns nun auch dagegen den Pharisäer betrachten. Schon seine Stellung verrath den Stolz feiner Seele. Er steht aufrecht und steif nahe am ► Heiligthume. Gerade das Gegentheil vom Zöllner, der gebeugt und von ferne stand. Und wie bcthete rr zu Gott? Herr, ich danke dir, daß ich nicht bin wie andere Leute. Welch ein Ge- beth, welch eine Sprache! Wenn er doch wenigstens vur sagte: Ich bin nicht, wie viele. Er nennt ei- *

