Linleitung.

Mie Wienerzeitung Nr. 20 dto. 11. März 1786 bringt auf Seite 530, in der Rubrik:Nachrichten", Artikel:Wien" folgende Notiz:

Gestern Vormittag ist allhier das Todesurtheil an einem ledigen Manne von 33 Jahren vollzogen worden, der durch einen niederträch­tigen Diebstahl und gräulichen Meuchelmord die Menschheit entehret hat. Einer Frauensperson raubte er ihre gesummte, über 1800 Gulden sich belaufende Baarschaft (?). Diese That, die schon dadurch abscheulich war, daß der Thäter mit gedachter Person in freundschaftlichem Um­gänge lebte, die Ehe ihr versprochen, und von ihr anhaltende (?) Dienstleistung, Sorgfalt und Wohlthätigkeit erfahren, auch nur so eben in einer Krankheit ihre hilfreiche Pflege genossen hatte, diese That wurde durch den Tags hierauf erfolgten Meuchelmord der Bestohlenen, welchen man erst zwei Wochen nachher entdeckte, und durch Umstände, die den verstocktesten (?) Bösewicht anzeigen, zum entsetzlichsten Gräuel. Es ist darüber nach Vorschrift der peinlichsten Gesetze wider den Misse- thäter folgende Strafe ausgeführet worden: Er wurde auf dem öffent­lichen Platz am hohen Markt geführt, und ihm allda sein Urtheil vorgelesen, dann auf dem hohen Wagen an die gewöhnliche Richtstätte gebracht. Unterweges wurde er zweimal mit glühenden Zangen ge­zwickt, endlich aber mit dem Rade zum Tode hingerichtet. Sein ent­seelter Körper wurde auf das Rad geflochten, und darüber ein Galgen mit herabhängendem Strange aufgerichtet."

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