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Mittel, das Leben zu verlängern, als: Mäßigkeit, den Genuß der freien und reinen Luft, Bäder und vor­züglich das tägliche Reiben des Körpers und Leib es Übung. Daher die Gymnastik. Man ver­gaß aber nicht, daß die Uebung des Leibes und die der Seele immer in gleichem Verhältnisse bleiben müß­ten *). Plutarch machte den Ausspruch, der ge­wiß nicht zu verwerfen ist: den Kopf kalt und die Füß e warm zu halten, anstatt bei jeder Unpäßlichkeit gleich A r z n e i e n z n g e b r a u- cken, lieber erst einen Tag fasten, und über dem Geist nie den Leib zu vergessen. In der Geschichte deö Königs David finden wir ein Bei­spiel der Gerokomik, eine Gewohnheit, einen alten abgelebten Körper durch die nahe Athmosphäre frischer aufblüheuder Jugend zu verjüngen und zu erhalten. Der große Boerhave machte einen Versuch mit ei­nem Amsterdamer Bürger und die Resultate sind nicht ungünstig gewesen. Wenn sich mit den eben er­wähnten Ansichten ein gesunder Verstand um so leich­ter vereinigen kann, weil sie offenbar praktisch ange­wendet nützliche Resultate liefern, so wird man aber um so weniger den andern vielen ältern Mitteln, das Leben zu verlängern, seine Zustimmung geben, weil sie unstreitig in das Reich des Unverstandes und der finanziellen Gewinnsucht gehören; wie z. B. die Prah­lereien des Theophrastus Paracelsus mit sei­nem Stein der Unsterblichkeit, dann des berühmten Thurneisen re. Was aber einfache und stren­ge Diät zur Verlängerung des Lebenö beiträgt, liefert uns der Italiener Cornaro. **)

*) Ein gewisser Herodikns ging in der Behandlung der Art mit seinen Patienten so weit, daß er dieselben- thigtc, spazieren zu gehen, sich reiben zu lassen. Er hatte auch das Glück vielen.Schwächlichen das Leben zu verlän­gern , so daß ihm Plato den Vorwurf machte, er thue un­recht , das sterbende Leben dieser armen Leute bis ,'n's Alter zu verlängern.

**) Dieser Cornaro, 83 Jahre alt, führte bis ln fein 40stes Jahr ein schwelgerisches Leben, war beständig krank