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Kein Fürst batte eine so dürftige Garderobe als Friedrich, dessen Einfachheit des Anzuges fast an Nach« läßi^keit grenzte. Ein einziger blauer Tuchrock mit cothen Aufschlägen, eine gelbe Weite, geloe oder fchwar.e Beinkleider, ein großer Hut war ferne gewöhnliche. Kleidung.
Der Mangel an Kleidern setzte ihn bei einer seiner letzten Revuen in Schlesien in eine seit ame Verlegenheit. Es harte ununterbrochen geregnet, und der damals vier und siebzigjährige Monarch machte es sich noch immer zur Pflicht, feinen Soldaten in allen Beschwerlichkeiten ihres Standes als Muster voranzugehen. Schon war es halb eilf Uhr und er hatte feine Generals zur Tafel eingeladen, welche um 12 Uhr stattfinden sollte; es mußten also in einer Stunde Rock, Weste. Beinkleider, Hemde, Stiefeln und Hut. und sogar seine Stulphandschuh getrocknet ,
werden. Alles war so durchnäßt, daß man fürchten mußte, jedes einzelne Stück würde am Feuer einlaufen und der Monarch sich genöthigt sehen, seine Gäste in dem alten sammtenen Casaquin zu empfangen, das ihm gewöhnlich zum Schlaftocke diente. Seine Leute fanden k^in anderes Mittel, als einen Landmann zu entkleiden, der ungefähr von der Figur des Königs war, und sich dessen als einer Form zu bedienen, auf der sie die Kleider des Königs trocknen könnten. Der gute Mann, der noch nicht wußte, welchen Zweck seine Umkleidung haben sollte, machte vor jedem einzelnen Stück tiefe Bücklinge und konnte sich aus Ehrfurcht nicht entschließen, sich mit den königlichen Kleidern zu schmücken. Da nun Köche und Soldaten bei ihm Kammerdiener waren, so kam, halb mit Güte, halb mit Gewalt, die Toi'ette endlich zu t
Stande und man führte ihn in die Küche. Mit dem tief in die Augen gedrückten Hute des Königs, wohl zugeknöpftem Rocke , ausgesireckten Armen, die Handschuh an den Händen, die er ganz öffn.n mußte; ließ man ihn sich langsam vor dem Bratfcuer im Kreise herumdrehen und m-n kann sich woyl vörstellen, daß er sich nachher nicht lange bitten ließ, die ländliche Kleidung wieder an-

