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Am andern Morgen ließ der König die Frau von Kam ecke zu sich rufen. Sie fand in feinem Zimmer den Leibarzt Stahl und den Regimentschirurgus Holzendorf. Der König nahm allen Dreien einen feierlichen Eid ab, daß sie die Wahrheit sagen wollten. Sorann fragte er die Aerzte, ob eine Frau bis zur Stunde der Geburt schwanger seyn könne, ohne eö zu wissen?
Leide Aerzte erklärten: es sey dieß nicht ohne Beispiel. Selbst die Königin habe es so eben durch ihr Beispiel bestätigt; da es unzweifelhaft sey, daß weder sie selbst, noch ihre täglichen Gesellschafterinnen und Aufwartungs-Frauenzimmer das Geringste von ihrem Zustande geahnt hätten. Der König schien durch diese Antwort zwar etwas, aber doch bei weitem nicht völlig beruhigt. Er wandte sich nun an die Frau von Kam ecke, und'fragte sie, ob sie dasselbe glaube? Diese, noch von gestern her gegen ihn aufgebracht, und durch diesen Auftritt aufs neue erbittert, antwortete: allerdings sey sie aufs Vollkommenste davon überzeugt, und alle ehrlichen Leute, welche die Königin kennen, würden und müßten dasselbe glauben.
Der König sagte nun. etwas erhitzt, sie möge wohl mit der Königin unter einer Decke gespielt haben. Durch diesen, die Weiblichkeit so empfindlich reizenden und noch dazu ungerechten Vorwurf wurde die Oberhofmeisterin so aufgebracht, daß sie alle Verhältnisse und alle Furcht vor dem Zorn des Königs vergaß und ihm geradezu sagte: e« sey sein Glück, daß er König sey, sonst würde sie ihn auf der Stelle erwürgen. Der König vergaß über diese Äußerung der empörten Weiblichkeit einen Augenblick seinen Zorn, lachte sie aus, und behandelte sie als eine verrückte Person: Die Frau von Kam ecke ließ sich dadurch nicht irre machen. Er möge sie behandeln, wie er wolle, sagte sie, und von ihr denken was er wolle; aber er solle auch gestehen, daß er der Königin Unrecht thue, und daß er eine solche Gemahlin gar nicht verdiene. Diese dreiste Aeußerung verfehlte ihre Wirkung nicht. Gr schien einzusehen, daß er sich übereilt habe, und erklärte auch, daß er seiner Gemahlin Genugthuung geben werde.

