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melt hatten, sich unterfangen, von hohen göttlichen Dingen zu reden? geziemte ihr das? Sie blieb den ganzen Tag so nachdenkend, daß ihr Verlobter in sie drang, ihm den Grund zu sagen, und sie bekannte ibm, wie sie seit zwei Tagen ge- nöthigt sey, sich selbst viel weniger zu vertrauen, als noch vor Kurzem. „Nur weil Du Dir zu viel zugetraut," entgegnete Max mit innerer Freude über ihr Geständniß, „ist Dir diese Beschämung geworden, die Dir erspart geblieben wäre, hättest Du auch hierin Dich auf Gott verlassen und unmittelbar an Ihn gewendet. Du wolltest vom Eignen geben und das können wir nicht; in Gott müssen wir uns erst selbst versenken, als in einen unergründlichen Schallst ewiger Wahrheit und Weisheit, und je mehr wir suchen nach dem lautern Golde seiner Lehre, desto mehr Adern und Stufen läßt er uns finden, denn hieher paßt das Wort: wer bat, dem wird gegeben! dann erst, wenn wir es recht wissen, daß wir nichts haben, als allein durch ihn, können wir wagen, aus seiner Fülle dem Mitbruder die anvertraute Gabe zu reichen;. nur in ihm, mit ihm, durch ihn können wir das Wort zum Herzen des Nächsten finden, und indem wir immer auf's Neue durch den Sohn uns zum Vater ziehen lassen, und von Beiden mit dem heiligen Geist ausgerüstet werden, können wir den Muth fassen, der Zahl der Jahre, wie der Zahl derKöpfe seinWort entgegenzuhalten. Daß zuerst immer eine gewisse Scheu zu überwinden, gebe ich zu; aber es kommen hiebei auch nicht die Jahre des natürlichen Menschen in Betracht, der hochbetagt und doch nur ein Kind, ein Anfänger im Glauben seyn kann, während man unter den durch die Gnade Wiedergebornen Jünglinge sieht, die geistliche Väter sind durch Stärke und Festigkeit ihres Glaubens. — Lebenserfahrungen hat die alte 85jährige Westsch gewiß vor Dir voraus; Du dagegen hast die Hebung des Nachdenkens, welche ihr abgeht, und durftest so zu Deiner und ihrer Belehrung mit ihr austauschen; indem sie

