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Gedanken abgekommen, daß der Werth des Ktnderunterrichts nach der Summe des Wissens zu bemessen sei, das den Kindern beigebracht worden ist, und mit vollem Recht legt man mehr Werth auf die formale Seite des Unterrichts, d. h. auf Entwickelung und Stärkung der Geisteskräfte durch den Unterricht, denn auf dessen materiale Seite, d. h. auf Ansammlung eines großen VorratheS von Kenntnissen im Geiste.
Die Schuljahre der Kinder sind naturgemäß in zwei Epochen getheilt. Es ist in der Regel das zehnte Lebensjahr, das einen Einschnitt in die Schuljahre macht. Ehe dieses Jahr erreicht ist, muß eine gesunde, vernunftentwickelnde und nicht vernunftmvrde- rische Pädagogik darauf bedacht sein, daß nicht von außen heran eine allzugroße Masse von Lehrstoff dem Kinde eingetrichtert und eingepfropft werde, sondern daß man mehr von innen heraus die Geisteskräfte sich entwickeln lasse. Nach dem zehnten Lebensjahre sind die Anlagen des Kindes so gekräftigt, daß positives Wissen in größerer Menge aufgenommen werden kann.
Hier ist nun auch der rechte Zeitpunkt gegeben, wo man mit der Erlernung fremder Sprachen zu beginnen hat. Ein Kind, das drei oder vier Jahre lang in einer Sprache einen naturgemäßen Unterricht empfangen hat, wird die Elemente einer zweiten und dritten Sprache bald bewältigt haben, da nun ein festes Fundament gelegt ist, auf dem eö an dem Gebäude feines Wissens stetig und sicher fortbauen kann.
Nehmen wir den Fall, es beginne ein sechsjähriges Kind zu gleicher Zeit deutschen, englischen und hebräischen Leseunterricht. Jahre gehen darüber hin, bis einige Sicherheit und Geläufigkeit erzeugt ist, und das Resultat wird gar nicht selten sein, daß das Kind in keiner der drei Sprachen je zur Meisterschaft gelangt. Nehmen wir dagegen an, das Kind beginne das Hebräisch-Lesen in seinem zehnten Jahre, nachdem es bereits vier Jahre lang englischen Leseunterricht in den städtischen Freischulen gehabt hat, so wird

