42

philosophischer: Geist des französischen Gelehrten gedämpft wurde. Nach ihm ist die wesentliche Form des Duetts der Dialog; die Verbindung der Stimmer: und ihr Gang in Terzen und Sexten sind seltene ur:d kurze Ausnahmen, die sich nur drrrch die hin­reißende Gewalt der höchsten Leidenschaften motiviren lassen. Diese Ausnahmen zu verlängern und zu vermehren hält er für die größte Unschicklichkeit, insofern die Könige, Fürstinnen, Helden und ihr Gefolge, überhaupt alle wohlerzogenen Leute wissen müssen, daß es unanständig ist, wenn zwei oder mehrere Personen zu gleicher Zeit sprechen. Vorn Terzett sagt er Nichts, und das wahre Quartett erklärt er für unmöglich. Wir würden schö­nes Zeug machen, wenn wir es so machten, wie es uns die Bücher lehren. O, Mozart hatte sehr Recht! Er, der nur eine bürgerliche Erziehung erhalten hatte, schrak vor der plumpen Unschicklichkeit nicht zurück, zwei, drei oder vier Per­sonen in zwei, drei oder vier verschiedenen Melodieen zugleich sprechen zu lassen. Ganz im Gegensätze zu der alten Theorie, je mehrere Sprechende er zn gleicher Zeit zu beschäftigen hatte, um so mehr unterschieden sie sich durch die Contraste des Gefühls und des Charakters, das heißt durch die Manchsaltigkeit der melodischen Anlagen und der rhythmischen Gänge, und um so mehr gewann das musikalische Gemälde au Schönheit, Reichthum, Wichtigkeit und Interesse. Die Ensemblestücke, die ehemals Nebensache waren, nur zufällig und selten vorkamen, auch meistens nur geringen Effect in der Oper machten, wurden zu einer der Hauptsachen. Man hatte vor Mozart sehr schöne Chöre cmnponirt; aber von einem Chore bis zu einem Ensemblestück ist es noch sehr weit. Der Chor ist ein collectives Wesen, das nur einen Gedanken, ein Gefühl, einen Text hat. Das Ensemblestück vereinigt individuelle Wesen, deren gleiche oder constatirende, freundlich oder feindlich