47

Mozart bei den Soli's, die er in seine Symphoniecn und Ouvertüren mischte, stets den Blasinstrumenten den Vorzug. Das ist ganz natürlich. Das Quartett bildet die Grundlage des Orche­sters, und folglich hebt sich das Solo als solches weit besser hervor, wenn es einem episodischen Instrumente anvertraut ist.

Mozart, der stets auf alle Erfindungen und Vervollkomm­nungen Bedacht nahm, welche das Instrumental-Colorit mit einer neuen Schattirung bereichern konnte (man denke nur an die Basset­hörner in seinen beiden letzten Opern und im Requiem), verfolgte seine Entdeckungen auch rückwärts und zog einige wohlklingende Instrumente aus ihrer ungerechten Vergessenheit. Nunc audite et intelligete gentes! Mozart ließ die Posaunen wieder erstehen. Kommt einer seiner Ansprüche aus Ruhm diesem gleich? Mustker aller Nationen und aller Schulen, geht und errichtet mit eigenen Händen Dem eine Statue, welcher euch die Posaune ge­schenkt hat? Was würden wir heutzutage ohne Posaune machen?

Aimez-vous le trombone, on en a mis partout.

Und das ist das Uebel! Der Restaurateur dieses Instrumentes des Mittelalters hatte es in einigen Scenen seiner Opern, in der Onverture zttr Zauberflöte und im Requiem angewendet. Der Erfolg war überraschend, und weil eine zweimalige Anwendmtg diesen Effect machte, so glaubte matt nur noch mehr zu Wege zu bringen als Mozart, wenn man die Dosis verdoppelte. Weib in einer Scene des von Giovanni und in dem Requiem die Posaunen gleich denen des Weltgerichts erklangen, so mußten die durch eine ganze Partitur wirkenden Posaunen zrrm allerwenigsten die Mauern von Jericho einstürzen. Das war aber nicht der Fall; kein Stein rührte sich; dagegen ermüdeten unfere Componi- sten das Ohr durch ein Effectmittel, das, mäßig und namentlich zu rechter Zeit angewendet, wie es Mozart that, stets seine