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wissen, nicht was man Alles im Orchester anbringen, sondern das, was man weglassen könne. Mozart, der kühnste unter den Fugiften, der vollendetste und glänzendste Jnstrumentist, war von dieser Wahrheit so durchdrungen, daß er das Orchester häufig auf eine Guitarre-Begleitung beschränkte. Man hätte glauben können, er accompagnire nach dem Gehöre, wie Einer, der die Musik nicht erlernt hat. Hie und da ein kleiner Strich von zwei Noten; ein Ton, der sich in den Blasinstrumenten fortpflanzt, Pausen, so viel wie Nichts, und der Zauber hat seinen höchsten Grad erreicht, und der Effect dringt Einem durch Mark und Bein.

Ehre, dem Ehre gebührt! Derjenige unter den gegenwärti­gen Meistern, der in seinen Accompagnements am besten diese anbetungswürdige Anmuth und wundervolle Einfachheit hervorge­bracht hat, ist Giacomo Rossini. Wie sehr hat er nicht im­mer, wie sein Vorbild, die Grenzen respectirt, welche in dem mu­sikalischen Drama die poetische Nachahmung von der pittoresken oder interpretativen Nachahmung, den Vocalgesang von dem Or­chester getrennt. Die Stimme soll nicht wie ein Instrument singen. Stimnien die ganz mit kleinen Figuren in Sechszehnteln und Zweiunddrcißigsteln eingefaßt sind, mit gebundenen oder punc- tirten Arpeggien, Staccato's u. s. w. können ihren Werth und ihre Bedeutung im Orchester haben; wenn man sie aber einem Sänger zumuthet, so verändern diese Dinge die Reinheit der Vocalmelodie und zerstören deren dramatischen Ausdruck; sie wer­den widersinnig und verfallen in das, was wir Formalismus nennen.

Dadurch, daß die Musik Mozart's einige der Kennzeichen verloren hat, die sie im achtzehnten Jahrhunderte völlig neu mach­ten, scheint sie dennoch nichts verloren zu haben. Seine Meister-

Nlidjscheff, Mozart- Ul. 4