9 6 Rap. 12.P. ii. bis zum Ende.

Ehedem die heidnische Regierung besaß, und zu vergeben hatte, und die jetzt in die Hände dieser, Christen sich nennenden, Regenten über­gegangen sind. Konstantin that mit seiner kaiserlichen Großmuth und Freygebigkeit an die Kirche und Bischöfe der wahren Religion mehr Schaden, als alle heidnische Verfolgungen nicht gethan hatten. Dadurch ward vielen Bischöfen, die mit Ehren, Würden und Reich­thum überhäuft wurden, eine solche Jrrdischgesinntheit, eitler Welt-- und Hofsinn beygebrachc, darunter das göttliche Leben ganz und gav aus der Seele verloren wurde; und von dieser Zeit an sehen wie nichts als Rang- Geld- und Ehrsucht, selbst in der Kirche herrschen.

So wurde ein beträchtlicher Theil der vorhin schimmernden Sterne zur Erde geschmissen. Die heidnischen Sitten und Gesinnungen gien- gen mir den rohen halbbekehrten, fleischlichen Aemtersuchern mit in das unreine Christenrbum über, und vermischten sich so damit, daß viele von diesen Namenchrjsten weiter nichts als geraufte wahre Hei­den waren und blieben. Das will der andere Ausdruck sagen, V. Y.

Der Drache ward auf die Erde geworfen, und seine Engel wur­den auch dahin geworfen. In manchen Dingen schien es, als ob nun blos die Namen wären verändert worden, inzwischen die Sache selbsten bevm alten blieb, so wie sie in der abgöttischen Zeit gewesen war. Das schien absonderlich so der Fall zu seyn, wenn die heidnischen Tempel des Jupiters, Apollo, Juno oder Venus, nun zur Ehre der christlichen heiligen Tempels auf die Nämen des - § Petrus, Paulus, Tbecla, oder der Himmelskönigin Maria umge- j. ^ tauft, und so zu christlichen Tempeln eingeweihet wurden.

Wie kommt es aber, daß auch die Jnnwohner des Meeres mit ^ einem Wehe bedrohet werden? Das Meer ist freylich eigentlich das Bild der Heidenwelt, oder das Bild der Nationen überhaupt, waö ihr Glaube, oder ihr Bekenntniß seyn mag. Auch für die Heiden selbst war diese so abgeänderte Lage der Kirche gar nicht günstig.

Von nun an hatten sie nicht mehr Gelegenheit die Religion Jesu in ihrer Gotteskraft zu sehen, wie sie solche Gelegenheit oftmal vorhin hatten, wenn die edlen Wahrheirszeuqen mit laut erschallenden Lob­preisungen Gottes und des Lammeö ihren Geist mitten unter den grausamsten Martern freudig aufgaben. Manches harte Heiden­herz ward da erweichet, und zu heilsamer Erkenntniß gebracht. Von nun aber hatten sie von Seite der Christen vielfältig so schlechte E^r- cmpel vor Augen, die ihnen unmöglich eine Hochachtung für die Re­ligion, welche sie mit dem Mund bekannten, beybringen konnten.

So ward ihrem Heil ein grosser Anstoß in den Weg gelegt, und daS ist das Wehe, womit auch das Meer bedrohet wird.

Das Knäblein inzwischen, dem der rothe Drache so gram war, bleibt unverschlungen; ja sondern Gott nimmt es selbsten in seinen Schutz, und erziehet es unrer seinen Augen, nahe bey seinem Thron, und wenn es mannbar geworden ist, wird es wohl erscheinen, und die Welt wird sich denn wohl unter seinen eisernen Scepter beugen,

V. A. Denn zur Weltherrschaft ist es geboren, und diese wird ihm auch zu Theil werden, K. ii, 15. K. 19, 6. K. ro, 4. K. 21, 3.

24. K. 22, 2.