2l8""

che auch ein geistliches Haus, I Petr. 2, 4. das aus lauter leben­digen Steinen erbauet ist, und Christum beydes zum Fundament und zum Eck- oder Wehrstein hat. Auf diese allgemeine Kirche, als dieses geistliche Haus passen lene zwo bekannte Jnnschriften, 2 Tim. 2, 19. wer je den Namen Christi nennet, eigentlich sich nach dem Namen Christi nennet, der trete ab von Ungerechtigkeit z und absonderlich jene: Der Herr kennet die Seinigen.

In einer andern Vedeutuug kommt das Wort Kirche oder Ge­meine vor, wenn die Apostel ihre Briefe an diese oder jene Kirche addressiren, als an die Kirche zu Corinrh; an die Kirche zu Ephe­sus, an die Kirche zu Philippus, zu Laodicäa, zu Kolossus, oder auch an die Galater, oder die Römer, und dergleichen. Offenbar werden hier durch das Wort Kirche oder Gemeine diese besondern örtlichen Gemeinen verstanden, wie sie in einem einzigen Platz, oder erwan auch in einem weitschüchrigeren Landesstrich sich als eine Gemeine zusammen hielten. An derley besondere Gemeinen sind meist all die apostolischen Briefe geschrieben.

Es ist wichtig diesen Unterschied zu bemerken, damit wir nicht auf solche besondere Gemeinen Dinge deuten, die eigentlich die ge­samte christliche Kirche betreffen, oder aber Dinge, welche eigent­lich nur die besonderen örtlichen Gemeinen als solche betreffen, oder von ihnen als solchen geübet werden sollen, auf die allgemeine Kir­che Christi legen, für welche sie sich doch eben ihrer Allgemeinheit wegen nicht schicken, noch gemeint ftyn möchten.

Von Außerachtlassung dieses Unterschieds ist die größte Verwir­rung im Kirchenwesen entstanden, und muß natürlicher Weise ent­stehen, wenn wir so die Urbegriffe einmal verwirren. Noch bis auf den heutigen Tag streben alle sich so nennende christliche Kirchen, was Namens sie sich beylegen mögen, darnach, jede für sich, die ganze Welt nach ihrem eigenen Privatmodel umzubilden, und ihre eigene und sonderheirliche Einrichtungen über alle zu erstrecken, und allen, die nur nach dem Namen Christi sich nennen wollen, mitzu- rheilen und aufzubürden, und das meist mit solchem Sreifsinn, daß sie mit anderen Gemeinen welche diese ihre Einrichtungen nicht an­nehmen, sondern wieder ihrer seitS eben so steifsinnig an ihren be­sondern Einrichtungen festhangen, gar nur keine christliche Gemein­schaft haben wollen. Sv sehr strebet jede Kirche bis auf den heuti­gen Tag nach einer unschicklichen Einförmigkeit, und will ihr eigen Kirchenjoch auf die Schulrern aller legen, und kann keinen als einen Bruder erklären, als der unter dies ihr Joch kriechet. Darinne sehe .ich für mein Theii nichts als grossen Misverstand und Verwir­rung der fundamental Begriffe die Kirche betreffend. Das ist ferne vom Sinn des Herrn. Hatte' er auf solch eine Einförmigkeit an­gerragen, so hatte er die Form der Einrichtung aufs deutlichste be­stimmt. Aber eben deswegen, weil er nach seiner göttlichen Weis­heit solche Einförmigkeit als unschicklich und unthunlich erkannte, schrieb er keine besondere Kirchenform vor, sondern ließ den Kirchen selbst hierinne völlig frepe Hand, unter der Leitung seiner besonders